Schuld und Sühne. Nach dem Ende der Verantwortung.

Der freie Mensch ist für seine Handlungen verantwortlich. Als mündiges Subjekt ist er schuldfähig: Er muss einstehen für das, was er getan hat. Je mehr die moderne Wissenschaft den Menschen jedoch als ein durch Gene, Umwelt, das Unbewusste und Hirnfunktionen bestimmtes Wesen erkennt, desto fragwürdiger wird die These, dass der Mensch für sein Tun verantwortlich sei.
Und auch wenn wir bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, fragt es sich in einer Gesellschaft, in der fast niemand mehr die Folgen seines Tuns überblickt, wer letztlich für Katastrophen die Verantwortung trägt: von Reaktorunfällen über Finanz- und Wirtschaftskrisen bis hin zum Klimakollaps. Gleichzeitig, und dies ist paradox, wird der Ruf lauter, dass der Einzelne mehr Verantwortung übernehmen müsse: für Gesundheit, Bildung, sein Altern und sein Sterben.
Diesen kontroversiellen Fragen, ihren ethischen und gesellschaftspolitischen Dimensionen widmeten sich beim 18. Philosophicum Lech Philosophen und Vertreter anderer Wissenschaften.

ISBN 978-3-552-05719-7

Inhalt:

Ludwig Muxel:
Vorwort

Konrad Paul Liessmann:
Schuld und Sühne. Nach dem Ende der Verantwortung

Karlheinz Töchterle:
Wo beginnt die Schuld, wo endet die Sühne? Am Beispiel des Ödipus

Ekaterina Poljakova:
Zwischen Freiheit der Wünsche und Unfreiheit der Taten: Dostojewskis Idee der Verantwortung

Maria-Sibylla Lotter:
Schuld, Ausreden und moralische Haftung. Zur Schuldideologie und Praxis moralischer Verantwortung

Michael Hagner:
Gefängnis oder geschlossene Anstalt? Ein Fall aus dem Jahr 1903 und seine Beurteilung heute

Michael Schefczyk:
Verantwortung, Schuld und historisches Unrecht

Barbara Bleisch:
Mitgegangen - mitgehangen? Individuelle Verantwortung für globales Unrecht

Harald Welzer:
Wie sieht Totalitarismus im 21. Jahrhundert aus?

Ludger Heidbrink:
Verantwortung und Verantwortungslosigkeit

Reinhard Merkel:
Willensfreiheit - Schuld - Strafe: Grundlagen und Grenzen

Henning Saß:
Wille, Willensfreiheit und Schuldfähigkeit aus psychopathologischer Perspektive

Gerhard Roth:
Schuld und Verantwortung aus Sicht der Hirnforschung

Franz Schuh:
Der Zwergenwurf. Lobrede auf das Buch >>Eine Art zu leben. Über die Vielfalt menschlicher Würde<< von Peter Bieri

Peter Bieri:
Zwei Tische. Dankesrede zur Verleihung des Tractatus-Preises

Schuld und Sühne. Nach dem Ende der Verantwortung.
Ich. Der Einzelne in seinen Netzen.
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