Der listige Gott - Über die Zukunft des Eros

In einem seiner berühmtesten Bücher, im Symposion (Gastmahl), beschreibt Platon den Eros als einen listigen Gott: selbst eher unansehnlich, findet er immer wieder Mittel und Möglichkeiten, um dem Begehren seinen Weg zu bahnen. Und die vielzitierte platonische Liebe selbst war dann auch als eine schrittweise Verfeinerung des Begehrens gedacht, von der Ebene der unmittelbaren körperlichen Sinnlichkeit hin zur Anschauung der Idee des Schönen.

Gegenwärtig scheint es Eros besonders schwer zu haben. Das erotische Begehren, die Koketterie und die Kunst der Verführung, die knisternde Spannung zwischen den Geschlechtern, das Mysterium der Lust, das „Zeugen im Schönen“ – all das sind Bestimmungen des Erotischen, die höchst antiquiert erscheinen mögen in einer Zeit, die nur noch von „Sex“ spricht. Das Erotische scheint verschwunden, an seine Stelle sind die unterschiedlichsten Varianten der Sexualität getreten, die längst zu einer rasch konsumierbaren Ware geworden sind.

Wesentliche Kennzeichen des Erotischen – die spielerische Andeutung, das Offenhalten für Möglichkeiten, die schwebende Unsicherheit, auch das Abstandhalten und die Zurücknahme – sind dem Imperativ der schnellen, unmittelbaren und kostengünstigen Bedürfnisbefriedigung gewichen: Eros-Center und Internet winken mit den Versprechen problemloser Ersatzbefriedigungen, wenn das Erotisch-Sexuelle kompliziert zu werden droht. Moderne Reproduktionstechnologien, die kalte Welt des Cyber-Sex, das Diktat der Spaß-Kultur und das grelle Scheinwerferlicht der Medien signalisieren, dass die Erotik längst entzaubert wurde. Aller Tabus entkleidet, ist sie zu einer Sache von Markt, Wissenschaft und Technik geworden.

Das 5. Philosophicum Lech möchte sich der Frage stellen, ob und wie es dem listigen Gott Eros gelingen könnte, auch diesen Entwicklungen noch ein Schnippchen zu schlagen. Die Vortragenden wollen in einer Diagnose der Gegenwart untersuchen, welche Formen das Erotische in Kunst und Literatur, in verschiedenen gesellschaftlichen Segmenten angenommen hat; und sie werden nach den Möglichkeiten fragen, die dem Eros als einem Begehren des Schönen überhaupt noch eingeräumt werden können.

Das Philosophicum Lech zeichnet sich durch eine besondere Qualität der intellektuellen Begegnung aus, durch Gelegenheiten für Gespräche, Anregungen oder leidenschaftliche Diskussionen auch abseits des Vortrags-Saals. Vier Tage sind die Philosophierenden von Lech eine denkende Gemeinschaft in einem phantastischen hochalpinen Ambiente. Schon zum fünften Mal bietet Lech am Arlberg damit eine Plattform für eine hochrangige und konstruktive Diskussion über ein brisantes Thema unserer Zeit.