Dr. Rüdiger Safranski

Zur Person
Geb. 1945 in Rottweil/Württemberg. Studium der Philosophie, Germanistik, Geschichte in Frankfurt/M und Berlin. Promotion 1974. Nach der Lehrtätigkeit an der Universität (FU Berlin) und in der Erwachsenenbildung (bis 1978) und der Tätigkeit als Mitherausgeber u:nd Redakteur der "Berliner Hefte Zeitschrift für Kultur und Politik" (bis 1982) freier Schriftsteller in Berlin.
Auszeichnungen: Friedrich-Märker-Preis [ür Essayisten (1995)
Wilhelm-Heinse-Medaille der Mainzer Akademie (1996)
Ernst-Robert Curtius-Preis für Essayistik (l998),
Friedrich Nietzsche-Preis des Landes Sachsen-Anhalt (2000

Wichtige Publikationen (Auswahl):
- E.T.A. Hoffmann (1984);
- Schopenhauer und die wilden Jahre (1987);
- Wieviel Wahrheit braucht der Mensch (1990);
- Ein Meister aus Deutschland. Heidegger und seine Zeit (1994);
- Das Böse (1997);
- Nietzsche (2000)
Die Bücher sind in 15 Sprachen übersetzt.

Zum Vortrag

"Der erkaltete Eros`'
Der Eros war einmal, von Platon bis Herbert Marcuse, verstanden worden als das energetische Zentrum aller geistigen und schöpferischerischen Bemühungen, die eine höhere Kultur hervorbringen. Der so verstandene Eros aber ist entzaubert. Der verschlungene, geheimnisvolle Knoten der Erotik ist gelöst, die Komponenten sind entmischt: Sexualität wird sportlich betrieben, Fortpflanzung medizinisch betreut und manipuliert, die Sprache der Leidenschaft ist der Lebensabschnittspartnerschaftsdiskurs. Man empfindet einen Mangel. Deshalb die heftigen Reanimationsversuche in den Medien. Große Gefühle sind gefragt und werden angeboten für den schnellen Verbrauch. Andere suchen den lagerfähigen Eros in den Archiven der Kultur. Wahrscheinlich aber war es immer schon so: der Eros ist ein Versprechen, das nicht dazu da ist, erfüllt zu werden. Der Eros lebt im Aufschub (schon Dionysos war er ein "kommender Gott") und im Verschwinden( schon Plutarch überliefert den Klageruf: "Der große Pan ist tot..!.") Deshalb gilt wohl: die Zukunft des Eros liegt im Aufschub und im Entzug. Der Eros ist dann gegenwärtig, wenn er eben verschwunden oder noch nicht angekommen ist. Er lebt im Imaginären. Zuviel Wirklichkeit schadet ihm und läßt ihn erkalten.