Prof. Dr. Hannelore Schlaffer

Zur Person
Geb. 1939. Apl. Professor für Neuere deutsche
Literatur an der Universität München.
Essayistin und Kritikerin, lebt in Stuttgart.

Wichtige Publikationen (Auswahl):
- Wilhelm Meister (1980);
- Deutsche Literatur in Bildern (1986);
- Poetik der Novelle (1993);
- Schönheit. Über Sitten und Unsitten unserer Zeit (1996);
- Bettina Brentano. Originale und erdichtete Briefe (1999).

Zum Vortrag
Eine schöne Frau ist eine begehrenswerte Frau – diese Vorstellung hat sich erst im Laufe der Jahrhunderte durchgesetzt und im zwanzigsten endgültig befestigt. Ursprünglich wird ein Gegenstand oder ein Mensch schön, indem er zum Fest der Götter hergerichtet wird. Schön ist das Opfer, das man ihnen bringt. Erst allmählich wird die Festaufmachung zur Werbung für die eigene Person umgedeutet. Dies geschieht mit Hilfe des Gewandes. Mode entsteht, wo das Kleid der erotischen Werbung und nicht mehr der Feier der Götter dient. Aber auch dann bleiben Erinnerungen an Herkunft der Schönheit aus dem Kult erhalten. Jede Mode erfindet daher neben den Gesten der erotischen Werbung auch Zeichen, die Distanz und Feierlichkeit ausdrücken. Deshalb ist Schönheit immer gleichzeitig anziehend und auf der Flucht.