Prof. Dr. Sigrid Weigel



Zur Person
geb. 1950, Direktorin des Zentrums
für Literaturforschung (zugleich Vorsitz
der Geisteswissenschaftlichen Zentren Berlins)
und Professorin am Literaturwissenschaftlichen
Institut der TU Berlin.

Wichtige Publikationen (Auswahl):
Die Stimme der Medusa (1986);
Topographien der Geschlechter (1990);
Bilder des kulturellen Gedächtnisses (1994);
Entstellte Ähnlichkeit. Walter Benjamins
theoretische Schreibweise (1997);
Ingeborg Bachmann. Hinterlassenschaften unter
Wahrung des Briefgeheimnisses (1999).

Thesen zum Vortrag

Genea-Logik. Vom Phantasma des Nachlebens im Erbe

Neben dem Werk gehört das Erbe zu denjenigen Vorstellungen, die ein Nachleben nach dem eigenen physischen Tod versprechen, eine Art Unsterblichkeit in der Form des Überlebens im Besitz oder in den Nachkommen. Insofern stellt die Geneologie eine spezifische Form der testamentarischen Überlieferung dar, die – im Wissen um die eigene Sterblichkeit - das Begehren nach Fortdauer des Eigenen zum Ausdruck bringt.
Innerhalb dieser Figur einer testamentarischen Gene-Logik werden unterschiedliche Konzepte von Erbe im Zusammenspiel von kulturellen, rechtlichen und biologischen Bedeutungen diskutiert: - Vermächtnis versus Hinterlassenschaft, Archiv vs. Schrift, Fortbestand vs. Andenken etc.
In kulturgeschichtlicher Perspektive wird es dabei um den historischen Wechsel vom Erbe im Sinne von (Grund-) Besitz und schriftlicher Überlieferung (im Ancien Regime) zur biologischen Vererbung in der Nachkommenschaft (in der Moderne) und um den jüngsten Perspektivwechsel von der Idee der Fortdauer zum Wunsch nach Modifikation und Internvention ins eigene genetische Erbe gehen.