Rabbiner Dr. Walter Homolka



Zur Person
Geboren am 21. Mai 1964. Rektor des Abraham Geiger Kollegs für die Ausbildung von Rabbinerinnen und Rabbinern.

1986 Baccalaureat Theologiae seu Divinitatis, Universität München, 1989 Ergänzungsstudium und Zertifikat in Erwachsenenpädagogik, Hochschule für Philosophie der Jesuiten München, 1992 Doctor of Philosophy in Religious Studies, King's College London, 1993 Master of Philosophy in Jewish Studies, University of Wales, 1997 Ordination zum Rabbiner. 1983 – 1989 Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes, 1986 – 1988 DAAD-Stipendiat in Großbritannien, SS 1989 DAAD-Fellow am Institut für kirchliche Zeitgeschichte an der Sektion Theologie der Karl-Marx-Universität Leipzig (Prof. D.Dr. Kurt Nowak). WS 1996/97 Visiting Professor for Media Studies am Department of Culture and Communication der School of Education der New York University (Professor Dr. Neil Postman). SS 1999 Fellow des German Marshall Fund of the United States, SS 2000 Mitglied im Advisory Council der Princeton University, USA. WS 2002 Rektor des Abraham Geiger Kollegs und Dozent an der Universität Potsdam.

1989 – 1991 Investment-Management und Wertpapiergeschäft der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank München. Entwickler des H.C.M. Umweltfonds für sozialverantwortliches Investment; 1992 – 1998 Bertelsmann AG, z.B. Kaufmännischer Direktor der Verlage Wolf Jobst Siedler und Albrecht Knaus Berlin; 1996 – 1998 Leiter des Vorstandsstabes des Vorstandsvorsitzenden Frank Wössner und Gesamtprokurist der Bertelsmann Buch AG München; 1996 – 1998 Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Beth Schalom München; 1998 – 1999 Erster Geschäftsführer Greenpeace Deutschland; 1998 – 2000 Landesrabbiner des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden von Niedersachsen; 1.1.2000 – 30.6.2003 Stv. Vorsitzender des Vorstandes der Kultur-Stiftung der Deutschen Bank Berlin; 1.1.2000 – 30.4. 2003 Sprecher der Geschäftsführung der Alfred Herrhausen Gesellschaft für internationalen Dialog GmbH; 1.11.2001 zusätzlich Direktor der Akademie Musiktheater heute, Berlin. 1.11.2001 – 30.4.2003 Chairman of the Board of Directors of “Transatlantic Outreach Programme for the Teachers of North Americał (TOP), New York; 1.9.2002 Rektor des Abraham Geiger Kollegs an der Universität Potsdam.


2004 wurde Rabbiner Dr. Walter Homolka von Staatspräsident Jacques Chirac zum Ritter der französischen Ehrenlegion ernannt hat.

Wichtige Publikationen (Auswahl):
Ethische Geldanlagen, (gem. mit Johannes Hoffmann und Peter Roche), Verlag für internationale Kommunikation, Frankfurt, 1993
Das Wertpapiergeschäft (gem. mit Ingeborg Kauper und Andreas Küspert), Gabler Verlag/Wissen-schaftliche Buchgesellschaft, 1994
Culture First! Promoting Standards in the New Media Age, Cassell London und New York, 1996
Und Brecht sah das Tragische nicht – Plädoyers, Polemiken, Profile von Rolf Hochhuth Knesebeck Verlag München und Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, 1996
Nicht durch Geburt allein - Übertritt zum Judentum.-Knesebeck Verlag München und Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, 1997, als Taschenbuch (mit Esther Seidel) bei Knaur, 1998
Not By Birth Alone - Conversion to Judaism.-Cassell (mit W. Jacob und E. Seidel) London, N .Y. 1998
Seder haTefillot - Das jüdische Gebetbuch, 2 Bände (mit J. Magonet) Gütersloher Verlagshaus Mohn, 1998
Progressives Judentum - Leben und Lehre (mit J. Romain), Knesebeck Verlag München, 1999
Das Judentum hat viele Gesichter - die religiösen Strömungen der Gegenwart (mit Gilbert S. Rosenthal), Knesebeck Verlag München, 1999, Taschenbuch Gütersloher Verlagshaus, 2000
Schalom Ben-Chorin – Ein Leben für den Dialog. Gütersloher Verlagshaus, 1999
Die Weisheit des Judentums – Gedanken für jeden Tag des Jahres (mit Annette Böckler). Gütersloher Verlagshaus, 1999
“So gehe ich meinen Weg mit Gottł – Jüdische Gebete.- Gütersloher Verlagshaus, 2000
Mosche Chaijm Luzzatto: Der Weg der Frommen. Neuedition. Jüdische Verlagsanstalt Berlin, 2001
Seder haTefillot - Das jüdische Gebetbuch für Schabbat und Wochentage (mit Jonathan Magonet). Jüdische Verlagsanstalt Berlin, 2001
Judentum. Das Volk Israel und sein Glaube - DVD 46 02270 des FWU-Medieninstituts der Länder.-
Grünwald, 2004


www.whomolka.de


Wahrheit und Lüge - Eine Bewertung aus jüdischer Sicht

Eine von drei Säulen, auf denen nach Ansicht des Judentums die Welt ruht, ist die Wahrheit (Sprüche der Väter I, 18). Wer lügt, untergräbt also das Fundament der Welt. Wer es aber mit der Wahrheit genau nimmt, trägt zu ihrer Erhaltung bei.

Die Frage ist nur: was ist eine Lüge? Und fast noch wichtiger die Frage für uns schwache Sterbliche: welche Lüge ist denn erlaubt?

Im Talmud heißt es, der Gelehrte dürfe nur in drei Fällen von der Wahrheit
abweichen: er darf sein Wissen verleugnen aus Bescheidenheit, seine Liebe aus Keuschheit und, um den Gastgeber vor Belästigung zu schützen, darf er eine freundliche Aufnahme verschweigen, die er erfahren hat.

Was aber ist die Wahrheit? Und: wenn man sie denn kennt, muss man sie überall hinausposaunen?

Das Leben eines religiös denkenden Juden bewegt sich ständig um diese Fragen. Nicht so sehr absolut, sondern in den Abwägungen des Alltags: in dem Bemühen, ein gerechtes Leben zu führen.

Gerechtigkeit üben im Angesicht der Wahrheit und im ständigen Kampf mit den täglichen kleinen Lügen, die sich uns so gerne auf die Zunge legen, ist die Herausforderung eines jüdischen Menschen, der Gott nahe sein will und sein Leben deshalb heiligt.