Prof. Dr. Jürgen Partenheimer



Zur Person
Geboren 1947 in München. 1968 –1976 Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Philosophie sowie der freien Kunst in Deutschland, Spanien, USA, Frankreich, Mexiko. Lebt als bildender Künstler in der Nähe von Köln.

Reisen und interkulturelle Dialoge spielen für den Schaffensprozess Partenheimers eine wichtige Rolle. Lehrverpflichtungen führten den Künstler u.a. an das San Francisco Art Institute, die Rijksakademie van Beeldende Kunsten Amsterdam, Concordia University Montréal, die Staatliche Kunstakademie Düsseldorf sowie das Royal College of Art in Edinburgh. 1995 erhielt Partenheimer den spanischen Preis der Kunstkritik für die beste Ausstellung der Saison in Madrid. Ausstellungsbeteiligungen u.a. an den Biennalen in Venedig, Paris und São Paulo sowie vom Museo de Arte Moderna in Lissabon bis zum Museum of Modern Art (MoMA) in New York dokumentieren Partenheimers Stellung in der internationalen Kunst.
Partenheimers Werk wurde in den vergangenen Jahren durch Einzelausstellungen in bedeutenden Museen des In- und Auslandes gewürdigt, u.a. in der Nationalgalerie Berlin (1988), in der Kunsthalle Hamburg (1990),in der staatlichen Graphischen Sammlung München (1994), im Kunstmuseum Bonn (1995), dem Stedelijk Museum Amsterdam (1997), dem IVAM Centre Julio Gonzalez in Valencia (1998), der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe und dem CGAC Santiago de Compostela (1999). Im Jahr 2000 wurde Partenheimer mit einer umfassenden Aus-stellung in der Nationalgalerie Peking und dem Nanking Museum als erster zeitgenössischer Künstler aus Deutschland in China geehrt. 2001 stellte er im Gemeente Museum in Den Haag aus und 2002 öffnete das Museum für aktuelle Kunst (S.M.A.K.) in Gent dem Künstler seine Räume für eine große Werkschau. 2004 wurde ihm der Preis für Bildende Kunst der Kulturstiftung Dortmund anläßlich einer Retrospektive im Museum am Ostwall Dortmund verleihen. Im Herbst 2004 präsentiert die Pinacoteca Do Estado in São Paulo in Brasilien parallel zur dortigen Biennale die Werke Partenheimers.

Wichtige Publikationen (Auswahl):
Der Weg der Nashörner, Fragmente Part II, Kunstraum München. Hg. Hermann Kern, München 1983
On tradition and vision in contemporary art. University of California Press, Davis 1985
IWORU (Das Gebiet). Hg. Bruno Glatt, Onrust, Amsterdam 1987
Jürgen Partenheimer Verwandlung-Heimkehr. Fragmente IV, Nationalgalerie Berlin, 1988
Jürgen Partenheimer-Tönende Schatten, Museum Morsbroich Leverkusen, Kunstmusem St.Gallen, Kunstmuseum Düsseldorf, 1989
Vasts apart – Bereiche des Ordnens, Kunsthalle Hamburg. Hg. Werner Hofmann, Hamburg 1990
Follow the rabbit. Heike Curtze, Wien 1990
Jürgen Partenheimer De Coloribus-Versuch über die Farben, Düsseldrof/Amsterdam/San Francisco, 1990
Varia – Bilder einer Sammlung. Hg. Werner Meyer, Stuttgart [Edition Cantz] 1992
Jürgen Partzenheimer Ausgewählte Schriften 1970-1992, Städelsches Kunstinstitut Frankfurt und Gemeentemuseum Den Haag [Richter Verlag] 1993
Skulpturen Projekte – Modelle. Hg. Christa Häusler, Stuttgart [Reihe Cantz] 1994
Jürgen Partenheimer Cantos, Stedelijk Museum Amsterdam. Hg. Rudi Fuchs, Amsterdam 1997
Jürgen Partenheimer, Cantos y otras mentiras – songs and other lies, Hg Juan Manuel Bonet, IVAM Valencia / CAM Tampa, Florida, 1998
Jürgen Partenheimer Fragmente. Hg. Klaus Schrenk, Düsseldorf [Richter Verlag] 1998
Jürgen Partenheimer. Orfeo se volvía, Hg. Miguel Fernandez Cid, CGAC Santiago de Compostela, 1999
Architecture – Sculpture, Gemeentemuseum Den Haag. Hg. Franz Kaiser und Indofin Group, Düsseldorf [Richter Verlag] 2000
CrossMapping Partenheimer in China, China National Museum of Fine Arts Peking und Nanking Museum, Nanking. Hg. Dieter Ronte, Düsseldorf [Richter Verlag] 2001
La robe des choses, S,M,A,K, Stedelijk Museum voor actuele Kunst, Gent. Hg. von Jan Hoet, Gent [Merz Editions] 2002
Der Schein der Dinge, Gentle madness. Museum am Ostwall Dortmund. Düsseldorf [Richter Verlag] 2004
Künstlerbücher 1970 – 2004. Hg. Maria Linsmann, Köln [Wienand Verlag] 2004



Zum Vortrag

„Polymorphe Beziehungen – Über Erfindung, Verstellung und Gedächtnis in der Kunst“

Der Held ist müde. Erschöpft von der Wirklichkeit sucht er die wahren Geister seiner Seele, die ihn beruhigen und ihm die Last der Tatsachen und Fakten nehmen und die aufgeregten Zahlen der täglichen Buchhalter und Verwalter von Zeit und Raum löschen. Träge und gelähmt, mit schweren Lidern sucht er das Dunkel, geblendet vom stetigen Licht strahlender Effizienz der gewissenhaften Tugend. Der Kopf neigt sich kraftlos, im Schlummer weicht die Härte, die Unnachgiebigkeit der beweisführenden Reflexe und der Traum sprengt endlich das Gesetz. „Wohin fliegst Du,“ fragt der Fisch mit sehnsüchtigem Blick in den Himmel, „wohin schwimmst Du, wenn der Strom gegen Dich zieht?“ „Ich jage die Wolke, sie hat kein Herz, sie gibt mir Halt, netzt meine Lippen, spricht mir vom Meer.“ Einsam sitzt er auf dem Rücken der Welt, beobachtet das Treiben der Menschen, wundert sich über die emsigen Werte und schläft den gerechten Verrat der tatenlosen Entdecker.

Der Künstler trennt sich über diese gewonnene Distanz nicht nur von der Dingwelt, die er transzendiert, er wendet auch die Qualität der Wahrnehmung, die ästhetische Bewertung der Dinge. Er entfernt sich von der alltäglichen Schönheit bzw. der Wahrheit der Dinge, weil ihm eine andere Schönheit, eine andere Wahrheit bewußt wird, eine, die er noch gar nicht kennt. Oder er hebt auf dem Weg der Entfernung den konventionellen Begriff von Schönheit und Wahrheit auf und empfindet das anders-wahrgenommene außerhalb der Kriterien dieser konventionellen Ästhetik und lügt das Blaue vom Himmel herunter.