Prof. Dr. Robert Pfaller

Zur Person
geb. 1962, Professor für Kulturwissenschaft an der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung in Linz.

Wichtige Publikationen (Auswahl):
1. Bücher (in deutscher Sprache)

(2002) Die Illusionen der anderen. Über das Lustprinzip in der Kultur, Frankfurt: Suhrkamp, 2002

(2002a) (Hg.:) August Ruhs: Der Vorhang des Parrhasios. Schriften zur Kulturtheorie der Psychoanalyse, Wien: Sonderzahl, 2002

(2000) (Hg.): Interpassivität. Studien über delegiertes Genießen, Wien/ New York: Springer, 2000

(1997) Althusser - Das Schweigen im Text. Epistemologie, Psychoanalyse und Nominalismus in Louis Althussers Theorie der Lektüre, München: Fink, 1997

*2004 (Hg.:) Schluß mit der Komödie! Über die schleichende Vorherrschaft des Tragischen in unserer Kultur, Wien: Sonderzahl, erscheint voraussichtlich im Herbst 2004


2. Aufsätze in deutscher Sprache (Auswahl):

(2004) Das vertraute Fremde, das Komische, das Unheimliche. Die ästhetischen Effekte des Gedankenexperiments, in: Th. Macho/ A. Wunschel (Hg.:) Science Fiction. Über Gedankenexperimente in Wissenschaft, Philosophie und Literatur, Frankfurt/M.: Fischer, 2004, S. 265-286

(2003) Die kleinen Gesten des Verschwindens. Interpassivität und die Theorie der Rituale, in: E. Fischer-Lichte et al. (Hg.): Kunst der Aufführung - Aufführung der Kunst. Theater der Zeit, Recherchen 18, Berlin: 2004, S. 131-143

(2003) Die philosophischen Irrtümer der Kunst, Interview von Justin Hoffmann, in: Kunstforum international, Bd. 164, März - Mai 2003, S. 384-386

(2003) Die sichtbaren Sachen und das gesellschaftliche Imaginäre. Anonyme Einbildung als Motor der Kultur, in: P. Mörtenböck (Hg.): Visuelle Kultur, Wien: Böhlau, 2003, S. 163-176

(2002) Das Kunstwerk, das sich selbst betrachtet. Elf Schritte zu einer Ästhetik der Interpassivität, in: G. Schweppenhäuser/ J. H. Gleiter (Hg.): Rückblick auf die Postmoderne. Philosophische Diskurse 5, Weimar: Bauhaus-Universitätsverlag, 2002, S. 54-83

(2002) Das Undenkbare, die Höflichkeit und das Glück. Über die symbolische Wirksamkeit höflicher Gesten in den Philosophien von Kant und Alain, in: B. Felderer/ Th. H. Macho (Hg.): Höflichkeit. Aktualität und Genese von Umgangsformen, München: Fink, 2002, S. 119-143

(2002) Vom Kanon zum Schibboleth. Sieben Thesen über Parteilichkeit und Erbarmen in der Kultur, in: Kunstforum Bd. 162, Nov.-Dez. 2002, S. 54-63

(2002) Asketische Ideale und reaktionäre Massen, in: Gabriele Sorgo (Hg.): Askese und Konsum, Wien: Turia & Kant, 2002, S. 173-198

(2001) Selbstvergessenheit und die Bewegung fremder Körper. Über Interpassivität im Tanz, in: ballett tanz international, November 2001, S. 38-43
(wieder abgedruckt in: Kulturwissenschaftliches Institut NRW Jahrbuch 2001/2002, hg. v. Jörn Rüsen, Essen 2002, S. 187-205)

(2000) Hemmschwellen und Ermöglichungsschwellen. Zur Operation der Verschiebung in Zwangsneurose und Perversion, in: texte. psychoanalyse. ästhetik. kulturkritik, heft 4/ 00/ 20. Jg., S. 37-59

(2000) Lokomotiven küßt man nicht. Johan Huizingas Theorie der durchschauten Illusion im Spiel, in: Die sentimentalen Favoriten. Spiele in der Kunst, hgg. v. Bettina Henkel u. a., Wien: Triton, 2000, S. 51-54

(2000) "Hurrah, die Butter ist alle!" - Das Paradoxon der opferbereiten Massen, in: S. Stoller/ E. Nemeth/ G. Unterthurner (Hg.): Philosophie in Aktion. Demokratie - Rassismus - Österreich, Wien: Turia & Kant, 2000, S. 41-52

(1999) Der kalte Blick, in: Andrea van der Straeten, Haus der Kälte. Wien: Triton, 1999, S. 16-23

(1998) Der Ernst der Arbeit ist vom Spiel gelernt. Eine Spekulation über Verwicklungen im Verhältnis von work und culture, in: H. Lachmayer/ E. Louis (Hg.): work & culture. Büro. Inszenierung von Arbeit, Klagenfurt: Ritter, 1998, S. 29-36

(1997) Philosophie und spontane Philosophie der Kunstschaffenden, in: H. Lachmayer/ Chr. Möller/ M. Knipp (Hg.): Archimedia, Institute for Arts and Technology: Projekte 95/97, Linz 1997, S. 171-183


3. Veröffentlichungen in anderen Sprachen (Auswahl):

(2004) Estetica dell'interpassività, in: Agalma. Rivista di studi culturali e di estetica, no. 7-8, marzo 2004, pp. 62-74

(2004a) Little Gestures of Disappearance. Interpassivity and the Theory of Ritual, in: Journal of European Psychoanalysis, No. 16, Winter - Spring 2003[/2004], pp. 3-16

(2003) Illusions without Owners. Structures of the Social Imaginary and the Pleasure Principle in Culture, in: the projection, ed. by Anke Bangma, published by BAK, basis vor actuele kunst, Utrecht, the Netherlands, as part five of the project 'Now What? Dreaming a better world in six parts' (November 2003 - April 2004), p. 1-2

(2003a) Iluzije bez vlasnika, in: zarez V/113, 25. rujna2,,3. (zagreb), S. 29

(2003b) From sexual liberation to sexual harassment: an analysis of discourse, in: Madam, I'm Adam. The Organization of Private Life, hg. v. Piet Zwart Institute u. Kunstuniversität Linz, Bereich Experimentelle Gestaltung, Rotterdam/ Linz, 2003, pp. 23-31.

(1998b) The Work of Art that Observes Itself. Eleven Steps towards an Aesthetics of Interpassivity, in: Centro de studiis por la scultura publica ambiental (ed.): Presencias en el espacio publico contemporaneo, Barcelona 1998, pp. 229-240.

(1998a) Negation and its Reliabilities. An Empty Subject for Ideology?, in: Sl. Zizek (Ed.): Cogito and the Unconscious, Durham: Duke Univ. Press, 1998, pp. 225-246.
(see also: The Symptom, Issue 4, Spring 2003, www.lacan.com/pfaller.htm)


Zum Vortrag

DAS UNGLAUBLICHE
Über Illusion, Lust und Kultur

Das Unglaubliche ist ein paradoxes, aber äußerst wichtiges Kulturelement. Es besteht aus Illusionen, von denen sich auf den ersten Blick schwer sagen läßt, ob sie jemals von irgend jemandem geglaubt worden sind (und wenn ja, von wem). Die Rolle des Unglaublichen in der Kunst zeigt sich sehr deutlich z. B. in der trompe l'oeil-Malerei: diese erfreut durch "anonyme Einbildungen" - durch Täuschungen, von denen unklar bleibt, wen sie täuschen sollen.
Solche "Illusionen ohne Subjekt" bilden das allgemeine Lustprinzip in der Kultur: Sie sind in der Alltagskultur, in sämtlichen Spielen, im Sport, in der Erotik sowie in therapeutischen Glückstechniken am Werk. Überall dort, wo große (mitunter exzessive) Mengen an Lust entstehen, hat man es mit ihnen zu tun.
Nicht alle Kulturen allerdings unterhalten zu diesem Element des Unglaublichen ein gleichermaßen liebevolles Verhältnis. Manche - darunter unsere aktuelle Kultur - scheinen vielmehr von einer tiefen Feindschaft gegen das Unglaubliche angetrieben: Man verfolgt und vernichtet es, wo man es antrifft. Die charmanten Täuschungen in der Kunst, die glamourösen Fiktionen im Verhältnis der Geschlechter, der Kult der göttlichen Wesen im Film und im Autodesign werden auf das Rabiateste bekämpft.
Dies wird oft im Namen eines Aufklärungsprozesses und im Namen der Autonomie unternommen: weil wir heute gegenüber früheren Zeiten an Erkenntnis dazugewonnen hätten, könnten wir an solche Dummheiten einfach nicht mehr glauben; oder damit wir Autonomie gewinnen können, dürften wir nicht mehr an soetwas glauben. Dabei wird allerdings konstant übersehen, daß das Unglaubliche ohnehin niemals geglaubt worden ist. Das bedeutet, daß die vermeintliche Aufklärung und Autonomie etwas anderes sein müssen als das, wofür sie sich selbst halten - und es wird zu fragen sein, was sie stattdessen sind.
Der Vortrag wird den Versuch unternehmen, einige auf verschiedene Felder verstreute Phänomene der gegenwärtigen Kultur in ihrem Zusammenhang diskutierbar zu machen: die Fadesse in der Kunst, den Niedergang des Designs, die Lustlosigkeit in der Sexualität und die weitgehende Widerstandslosigkeit, mit der die neoliberale Zerstörung von Lebensqualität und Öffentlichkeit derzeit noch hingenommen wird.