Prof. Dr. Alfred Schirlbauer



Zur Person
geb. 1948, Professor für Pädagogik an der Universität Wien.

Wichtige Publikationen (Auswahl):
Fachdidaktik - Fachunterricht. Studienbrief im Rahmen des Fernstudienprojekts "Pädagogik für Lehrer an Höheren Schulen." Eigenverlag Institut für Erziehungswissenschaften der Universität Wien, Wien 1980

Didaktik und Unterricht. Eine systematische Untersuchung zum Theoriebegriff der Göttinger und der Berliner Schule. Jugend und Volk, Wien - München 1982 (J&V-Förderungspreis)
Unterricht - Gegenstand und Prozeß. Studienbrief im Rahmen des Fernstudienprojekts "Allgemeinpädagogische Ausbildung für Lehramtskandidaten an einer Massenuniversität". Wien 1983

Junge Bitternis. Eine Kritik der Didaktik. WUV, Wien 1992

Das Bildungsproblem bei Wilhelm v. Humboldt. Diskussionsbericht zum XIV. Salzburger Symposion. Vierteljahresschrift für wissenschaftliche Pädagogik. Heft 4/1987. Hrsg. Marian Heitger. Kamp/Bochum 1978, S. 538 – 542

Zum Bildungs- und Lernbegriff als Analysemaßstab. In: I. M. Breinbauer, R. Kantner, A. Schirlbauer, R. Stipsits, Medienpädagogische Analyse des ORF-Studienprogramms "Wirtschaften". Durchgeführt im Auftrag des BMfUK. Institut für Erziehungwissenschaften der Universität Wien, Wien 1979, S. 5 – 24

Kulturfächer: In: Walter Spiel (Hrsg.), Konsequenzen für die Pädagogik, Band XI der "Psychologie des 20. Jahrhunderts". Kindler/Zürich 1980, S. 861 – 867

Geschichte als Bildungsfach. In: Marian Heitger, Innere Schulreform III - Die Vielheit der Fächer und die Einheit der Bildung. Herder/Wien - Freiburg - Basel 1984. S. 49 – 61

"Freiraum Schule". In: Der Wiener Lehrer. Heft 5/1987

Projektunterricht - ein Stück Antiaufklärung. In: Der Wiener Lehrer, Heft 9/1987, S. 14 f

Wollt ihr die totale Schule? In: Pädagogische Rundschau. 48. Jg./1994, S. 531 – 540

Interdisziplinäre Bemerkungen zum interdisziplinären Unterricht. In: Michele Borrelli/Jörg Ruhloff (Hrsg.): Deutsche Gegenwartspädagogik Bd. III. Pädagogik - Interdisziplinäre Verflechtungen und intradisziplinäre Differenzierungen. Schneider, Hohengehren 1998, S. 102 – 114

Guter Unterricht ist Unterricht, in dem Verstehen gelehrt wird. In: J. Freund, Heinz Gruber, Johann Weidinger (Hrsg.): Guter Unterricht - Was ist das? ÖBV, Wien 1998, S. 163 – 176

Considerazioni interdisciplinari sulla questione dell'insegnamento interdisciplinare. In: Michele Borrelli/Jörg Ruhloff (Hrsg.), La pedagogia tedesca contemporanea. III Volume. Luigi Pellegrini Editore, Cosenza 1999, S. 171 – 189

Pädagogik und Anthropotechnik. Oder: Hat Peter Sloterdijk der Pädagogenzunft etwas zu sagen? In: Vierteljahresschrift für wissenschaftliche Pädagogik. Heft 4/2000, S. 471 – 482

Werterziehung oder "Erziehung durch Unterricht"? In: A. Wenger-Hadwig (Hrsg.): Europäische Wertegemeinschaft (Fragen der Inneren Schulreform). Tyrolia, Innsbruck 2001. S. 44 – 54

Die Lehren des Krieges. Perspektiven einer Pädagogik der Konkurrenz. In: Konrad P. Liessmann (Hsg.): Der Vater aller Dinge. Nachdenken über den Krieg. Zsolnay, Wien 2001. S. 222-242

http://homepage.univie.ac.at/Alfred.Schirlbauer/
alfred.schirlbauer@univie.ac.at


„Bildungslügen. Über pädagogische Illusionen“

Der pädagogische Diskurs des 20. Jhts. erweist sich bei genauerem Hinsehen als eine ziemlich gut funktionierende Illusionsmaschine. Es ist nicht immer leicht zu unterscheiden, ob es sich bei dem, was da
produziert wird, um Lügen im genuinen Sinn handelt oder ob die Teilnehmer an diesem Diskurs selber an das glauben, was sie behaupten. Zum überwiegenden Teil dürfte es sich um Illusionen handeln, welche dem
Hang der Pädagogenzunft zur Weltverbesserung geschuldet sind. In diesem Zusammenhang wird der Vortrag zwischen notwendigen und unnotwendigen Illusionen unterscheiden müssen, denn ganz ohne Illusionen dürfte das Geschäft der Erziehung wahrscheinlich nicht auskommen.

Zu den geläufigen und trivialen Lügen/Illusionen in der Gegenwartspädagogik gehören z. B. folgende:
- dass das Kind der Partner des Erziehers im Erziehungsprozeß sei
- dass man als Erzieher auf die Ausübung von Macht verzichten könne, gleichwohl aber für das Kind Verantwortung trage
- dass Lehrer sich als Betreuer, coaches und facilitators zu verstehen hätten und dann am besten lehren, wenn sie nicht lehren, sondern helfen, unterstützen und beraten
- dass man am besten lernt, wenn man mit allen Sinnen lernt
- dass die Erteilung des Unterrichts nach Fächern das Verstehen von Zusammenhängen verunmögliche
- dass es auf distinktes Wissen und definierte Inhalte im Unterricht gar nicht ankomme und dass man daher auf Lehr- bzw. Lernziele verzichten könne, weil der Weg das Ziel sei (das Lernen lernen)
- dass das Wissen eine Art "Halbwertszeit" hätte bzw. ein Ablaufdatum trüge und dass es daher nur darum ginge zu lernen, wie man sich Wissen besorgt
- dass es beim Lernen nicht um Daten, Fakten etc. ginge, sondern um die großen Zusammenhänge
- dass das Auswendiglernen den jugendlichen Geist nicht nur unnötig belaste, sondern sogar schädige
- dass unsere Gesellschaft eine "kognitive Gesellschaft" (EU-Weissbuch) sei
- dass Arbeitslosigkeit grosso modo durch Weiterqualifizierung verhinderbar ist
- dass Tugend (das Gute) lehrbar sei und die Menschen durch Erziehung "besser" würden
- etc.