Der Wert des Menschen. An den Grenzen des Humanen


Die Würde des Menschen ist unantastbar. Dieser Grundsatz der Aufklärung, der erste Paragraph des Deutschen Grundgesetzes, erscheint gegenwärtig weit weniger selbstverständlich als noch vor Jahren. Die Frage nach dem, was es heißt, als Mensch menschenwürdig zu leben, stößt immer öfter an Grenzen und in Graubereiche vor, in denen das Humanum selbst zur Disposition steht. Einerseits wird durch die moderne Evolutionsbiologie die Sonderstellung des Menschen mit dem Hinweis auf die genetische Nähe zu den uns verwandten Tierarten zunehmend bezweifelt, andererseits wird durch den medizinisch-technischen Fortschritt die Frage danach, ab wann und wie lange ein Wesen als Mensch mit all den ihm zukommenden Rechten gelten kann, immer dringlicher. Die Debatten um verbrauchende Embryonenforschung und Euthanasie markieren nur zwei Pole am Anfang und am Ende des Lebens, die zeigen, wie unterschiedlich der Wert des Menschen mittlerweile diskutiert werden kann. Und nicht zuletzt hinterlässt das ökonomische Denken unseres Zeitalters auch dort seine Spuren, wo es um den Menschen, seine Rechte und seine Lebensmöglichkeiten geht. Wie steht es um den Wert des Menschen, wenn dieser nur mehr als Humankapital, als Kostenfaktor, als zunehmende Belastung für die Sozialbudgets gesehen wird, wie steht es um die Würde des Menschen, wenn dieser nur noch als ökonomische Ressource, als potentieller Organspender oder als Beitragszahler verbucht wird?

Das Philosophicum Lech hat sich seit 1997 etabliert als ein Ort der Diskussion und Begegnung. um zentrale Fragestellungen der Gegenwart aus unterschiedlichen Perspektiven miteinander zu erörtern – und das unter den angenehmen Bedingungen eines gastlichen Ortes im herbstlichen Hochgebirge. Die Themen der vergangenen Jahre: Faszination des Bösen (1997); Im Rausch der Sinne (1998); Die Furie des Verschwindens (1999); Der Vater aller Dinge (2000); Der listige Gott (2001); Die Kanäle der Macht (2002); Ruhm, Tod und Unsterblichkeit (2003); Der Wille zum Schein (2004).

Worin der Wert des Menschen gründet und was uns Menschlichkeit wert sein muss - diesen Fragen will das 9. Philosophicum Lech nachgehen. Renommierte Philosophen, Kultur-, Sozial- und Naturwissenschaftler werden aus unterschiedlichen Perspektiven zu dieser für unser Selbstverständnis so brennenden Problematik vortragen und darüber diskutieren.

Univ. Prof. Dr. Konrad Paul Liessmann