Prof. Dr. Norbert Hoerster




Zur Person

Lehrte bis 1998 Rechts- und Sozialphilosophie in Mainz.

 

Geb. 1937 in Lingen/Ems. Studium der Rechtswissenschaft sowie der Philosophie an verschiedenen deutschen und ausländischen Universitäten. 1960 Erste juristische Staatsprüfung am Oberlandesgericht Hamm, 1963 Master of Arts in Philosophie an der University of Michigan, 1964 Promotion zum Dr. jur. an der Universität Münster, 1967 Promotion zum Dr. phil. an der Universität Bochum, 1967-1968 Lehrtätigkeit an der University of Michigan sowie Forschungsaufenthalt an der University of Oxford, 1972 Habilitation für Philosophie an der Universität München. Seit 1974 Professor für Rechts- und Sozialphilosophie am juristischen Fachbereich der Universität Mainz. 1998 Pensionierung.

Wichtige Publikationen (Auswahl):

Abtreibung im säkularen Staat, Suhrkamp 1991.

Neugeborene und das Recht auf Leben, Suhrkamp 1995.

Sterbehilfe im säkularen Staat, Suhrkamp 1998.

Ethik des Embryonenschutzes. Ein rechtsphilosophischer Essay, Verlag Philipp Reclam,

Stuttgart 2002.

Ethik und Interesse, Verlag Philipp Reclam, Stuttgart 2003.

Haben Tiere eine Würde? Grundfragen der Tierethik, München (becksche Reihe) 2004.

Die Frage nach Gott, München (becksche Reihe) 2005.



Zum Vortrag

Der Vortrag verfolgt zwei Ziele. Erstens soll gezeigt werden, daß die Berfufung auf die „Menschenwürde“, wie sieunsere gegenwärtige ethische Diskussion um den Schutz des menschlichen Lebens weitgehend bestimmt, wertlos ist. Und zweitens soll gezeigt werden, daß die Schlüsselrolle im Bereich des menschlichen Lebensschutzes dem „Recht auf Leben“ zukommt, wie es dem Menschen als einzigem Lebewesen zusteht.

Die Berufung auf die „Menschenwürde“ geht nich nur von metaphysischen oder religiösen Vorgaben aus, die einer intersubjektiven Begründung unzugänglich sind. Diese Berufung kann auch schon deshalb keine wirkliche Begrüdung bieten, weil die sogenannte „Menschenwürde“ keinen bestimmbaren Inhalt hat und die Berufung auf sie nur dazu dient, der jeweils vertretenen moralischen Einstellung den Anschein einer höheren, unangreifbaren Legitimation zu geben.

Das individuelle „Recht auf Leben“ dagegen hat nicht nur einen feststehenden, klar umrissenen Inhalt. Seine Institutionalisierung in Rechtsordnun und Sozialmoral läßt sich auch ohne jeden Rückgriff auf metaphysische oder religiöse Voraussetzungen, nämlich zum Zweck der Sicherung des spezifisch menschlichen Überlebensinteresses überzeugend intersubjektiv begründen. Aus dieser Begründung ergeben sich dann auch ganz bestimmte Konseqzenzen für die in unserer Gesellschaft strittigen Fragen nach dem legitimen Beginn und Ende jenes strikten Lebensschutzes, wie er mit dem „Recht auf Leben“ notwendig verbunden ist.