Prof. Dr. Robert Spaemann




Zur Person

Geb. 1927. Studium der Philosophie, Geschichte, Theologie und Romanistik an den Universitäten Münster, München, Fribourg (Schweiz) und Paris, 1952 Promotion, 1962 Habilitation für Philosophie und Pädagogik; Ordinarius für Philosophie und Pädagogik an der TH Stuttgart. 1969 Professor für Philosophie an der Universität Heidelberg, 1973—92 Professor für Philosophie an der Universität München. Honorarprofessor an der Universität Salzburg. Gastprofessuren an den Universitäten Rio de Janeiro, Salzburg, Paris (Sorbonne), 2001 Karl Jaspers -Preis der Stadt und Universität Heidelberg.




Wichtige Publikationen (Auswahl):

Philosophische Essays, 1983, 1994.

Das Natürliche und das Vernünftige. Aufsätze zur Anthropologie, 1987.

Personen. Versuche über den Unterschied zwischen "etwas" und "jemand". 1996.

Töten oder sterben lassen? : worum es in der Euthanasiedebatte geht. (Hrsg. Zusammen mit Thomas Fuchs),1998.

Moralische Grundbegriffe. 1999, 1982.


Zum Vortrag

1. Die inflationäre Rede von Werten ist weder geeignet, das europäische Verständnis von Menschenrechten zu explizieren noch die innereuropäischen Konflikte z.B. um Abtreibung, Euthanasie, verbrauchende Embryonenforschung usw. zu beschreiben oder gar zu lösen.

2. Menschen sind offenkundig verschieden viel wert. In jedem Fall gilt: wenn vom Wert von Menschen die  Rede ist, dann haben offensichtlich Menschen verschiedenen  Wert

3. Das Wort Würde benutzen wir, im Anschluss an Kant, um den Status des Menschen als unbedingten Selbstzweck zu bezeichnen. Unter Menschenwürde verstehen wir heute den Grund für den Personenstatus jedes Menschen.

4. Der Personenstatus bedeutet, dass derjenige, der ihn besitzt, als „Selbstzweck“ betrachtet werden muss, d.h. als Gegenstand von Zumutbarkeitserwägungen bei allen Handlungen, deren Folgen ihn betreffen. Aus diesem Selbstzweckcharakter folgt, dass jede Handlung, von deren Folgen ein Mensch betroffen ist, prinzipiell vor diesem Menschen gerechtfertigt werden muss.

5. Wenn nicht, was unmöglich ist, faktische Akzeptanz durch den Betroffenen Bedingung für die Moralität einer Handlung sein soll, läßt sich der Gedanke der Menschenwürde nur operationalisieren Rückgriff auf eine „Natur des Menschen“. Die Operationalisierung des Menschenwürdebegriffs ist nicht möglich ohne Annahme von so etwas wie einer „Natur des Menschen“.

6. Der Begriff des „Wertes“ ist zu sehr strapaziert und zu zweideutig, zum als Leitfaden für den Umgang mit Menschen zu dienen.