Prof. Dr. Franz M. Wuketits




Zur Person

Ist stellvertretender Vorsitzender des Konrad Lorenz Instituts für Evolutions- und Kognitionsforschung.

Geb. 1955 in Parndorf (Ö). 1973-1978 Studium der Zoologie, Paläontologie, Philosophie und Wissenschaftstheorie an der Universität Wien, Promotion zum Dr. phil. 1978 und Habilitation 1980 ebendort. 1979 Lehrbeauftragter für Geschichte der Erkenntnistheorie, seit 1980 Dozent (1998 Titularprofessor) für Wissenschaftstheorie mit dem Schwerpunkt Biowissenschaften an der Universität Wien. Seit 1987 Lehrbeauftragter für Philosophie der Biologie an der Universität Graz. 1980-1982 Lehrbeauftragter für Philosophie der Naturwissenschaften an der Universität für Bodenkultur Wien. 1990/91 Geschäftsführender Leiter des Konrad Lorenz Instituts für Evolutions- und Kognitionsforschung in Altenberg/Donau. 1994 Gastprofessor an der Universität Ljubljana, 1996 Gastprofessor an der Università degli Studi di Roma, 1999-2001 Gastprofessor an der Technischen Universität Wien, 1982 Österreichischer Staatspreis für Wissenschaftliche Publizistik.

 

Forschungsschwerpunkte:

Evolutionary Theory / Evolutionary Epistemology and Ethics / History and Philosophy of Biology


Wichtige Publikationen (Auswahl):

Evolutionary Epistemology and Its Implications for Humankind. State University of

New York Press, Albany, N.Y. 1990.

Konrad Lorenz. Leben und Werk eines großen Naturforschers. Piper, München-Zürich

1990.

Verdammt zur Unmoral? Zur Naturgeschichte von Gut und Böse. Piper, München-

Zürich 1993.

Die Entdeckung des Verhaltens. Eine Geschichte der Verhaltensforschung.

Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1995.

(Hg. gemeinsam mit Jost Cimutta): Lebt Darwins Erbe? Fragen und Standpunkte zur

Evolutionstheorie. A. Lenz Verlag, Neustadt/Rbge 1995.

(Gemeinsam mit Hans-Peter Dürr, Klaus M. Meyer-Abich, Hans D. Mutschler und

Wolfhart Pannenberg) Gott, der Mensch und die Wissenschaft.. Pattloch Verlag (im

Weltbild Verlag), Augsburg 1997.

Soziobiologie. Die Macht der Gene und die Evolution sozialen Verhaltens. Spektrum

Akademischer Verlag, Heidelberg-Berlin-Oxford 1997.

Naturkatastrophe Mensch. Evolution ohne Fortschritt. Patmos, Düsseldorf 1998, 2001.

Eine kurze Kulturgeschichte der Biologie. Mythen, Darwinismus, Gentechnik.

Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1998.

Die Selbstzerstörung der Natur. Evolution und die Abgründe des Lebens. Patmos,

Düsseldorf 1999.

Warum uns das Böse fasziniert. Die Natur des Bösen und die Illusionen der Moral.

Hirzel, Stuttgart-Leipzig 1999.

Evolution. Die Entwicklung des Lebens. C. H. Beck, München 2000..

(Gemeinsam mit Maria Wuketits) Humanität zwischen Hoffnung und Illusion. Warum

uns die Evolution einen Strich durch die Rechnung macht. Kreuz, Stuttgart 2001.

 

franz.wuketits@univie.ac.at




Sind Menschen die besseren Affen? Versuche einer (Neu-) Bewertung der menschlichen Daseinsform
Freitag, 16. September 2005 15:30 Uhr

Zum Vortrag

Die Kluft zwischen dem Menschen und seinen nächsten Verwandten, dem Schimpansen und dem Zwergschimpansen (Bonobo), ist nicht mehr so breit wie früher angenommen wurde. Neuere Untersuchungen führen zu dem Schluss, dass wir diesen Tieren nicht nur Emotionen und Affekte, sondern auch eine Art von Bewusstsein und Kultur beiräumen müssen. Legt dies, umgekehrt, den Schluss nahe, dass wir Menschen auch bloß Affen sind – vielleicht ein wenig bessere Affen?
Während viele immer noch an der Evolution und der stammesgeschichtlichen Herkunft des Menschen aus dem Tierreich Zweifel anmelden, sprechen die Ergebnisse der Evolutionsforschung für sich und zwingen uns dazu, die traditionelle Vorstellung von der Sondernatur des Menschen aufzugeben. Homo sapiens ist eine von knapp 200 rezenten Primatenarten; seine Entwicklungsgeschichte ist in der Evolution der Primaten tief verwurzelt. Der Affe sitzt ihm fest im Nacken und beeinflusst seine Wahrnehmung, sein Denken, seine Sozialstrukturen und sein Handeln. Keineswegs also ist der Mensch jenes rationale Wesen, das er zu sein glaubt.
Zugleich hat Homo sapiens, was ebenfalls unbestritten ist, in den jüngsten Etappen seiner Evolution einen Weg eingeschlagen, der sich von dem seiner nächsten Verwandten deutlich unterscheidet. Die haben bekanntlich keine technische Zivilisation entwickelt – dazu fehlen ihnen etwa 1000 Kubikzentimeter Gehirn. Doch auch kraft seiner spezifischen Fähigkeiten, die er seinem bemerkenswerten Gehirn verdankt, kann sich der Mensch nicht aus der Evolution hinauskatapultieren, sondern bleibt in seiner „äffischen Natur“ verhaftet. Daraus ergeben sich eine Reihe anthropologisch und philosophisch relevanter Fragen, so vor allem:

- Wie ist aus dieser (evolutionstheoretischen) Perspektive die „menschliche Daseinsform“ zu bewerten?
- Wie ist diese Daseinsform überhaupt zu definieren?
- Sind Menschen (moralisch) anders zu bewerten als andere Primaten?
- Oder sind zumindest der Schimpanse und der Zwergschimpanse mit den gleichen moralischen Maßstäben zu bemessen wie Menschen?

Künftighin wird wohl keine Diskussion über die Leistungen und Fähigkeiten des Homo sapiens an den Leistungen und Fähigkeiten seiner nächsten Verwandten vorbeikommen, und eine Bewertung der menschlichen Daseinsform wird die „äffische Daseinsform“ mit einschließen müssen.


Das Thema wird ausführlicher behandelt in dem Buch F. M. Wuketits, Der Affe in uns, Hirzel-Verlag, Stuttgart 2001.