Univ. Doz. Dr. Gabriele Sorgo




Zur Person

geb. 1961. Studierte Geschichte und Französisch in Wien, 1986 Abschlussdiplom in beiden Fächern, 1991 bis 1993  Gymnasiallehrerin für Französisch und Geschichte, 1993 Promotion und 2006 Habilitation im Fach Kulturgeschichte.

Seit 1989 Lektorin für Kulturgeschichte an der Universität Wien (Institut für Geschichte und Institut für Soziologie) , an der Universität Klagenfurt (Institut für interdisziplinäre Forschung und Fortbildung), an der Karl-Franzens Universität Graz (Koordinationsstelle für Geschlechterstudien), an der Universität Innsbruck (Institut für Erziehungswissenschaften), an der medizinischen Universität Wien (Abteilung für Sozialpsychiatrie) und an der Pädagogischen Hochschule in Szeged.

 

Stipendien/ Forschungsprojekte

1987 bis 1988 Stipendiengeförderter Studienaufenthalt des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung in Paris. 2000 bis 2002 Charlotte-Bühler-Habilitationsstipendium für Frauen vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung - Thema des Habilitationsprojekts: „Das Körperopfer in der abendländischen Heilsökonomie".

Sonstige wissenschaftlichen Tätigkeiten

Mitglied der Gesellschaft für Historische Anthropologie an der Freien Universität Berlin (FU); Mitglied der Kommission Pädagogische Anthropologie (Deutsche Gesellschaft für Erziehungswissenschaft/ Sektion Allgemeine Pädagogik); Stellvertretende Institutsleiterin des Instituts für Sinnesanthropologie und Alltagskultur in Wien; Mitglied der Projektgemeinschaft „Konglomerationen" am Institut für Erziehungswissenschaften der Universität Innsbruck


Wichtige Publikationen (Auswahl):
  • Monographien

    Gnosis und Wollust: Zur Mythologie des Pierre Klossowski. Wien: Turia & Kant 1994.

    Martyrium und Pornographie. Düsseldorf: Patmos 1997.

    Abendmahl in Teufels Küche. Über die Mysterien der Warenwelt. Wien: Styria (Bibliothek der Unruhe und des Bewahrens 12) 2006.

     

    Herausgeberschaften

    Askese und Konsum. Wien: Turia & Kant 2002. Mit Beiträgen von Adolf Holl, Thomas Macho, Mario Erdheim u. a.

    Körper - Kontroversen. Hg. zusammen mit Martina Kaller-Dietrich und Silvia Ruschak. Innsbruck: Studienverlag 2004. (= Wiener Zeitschrift für die Geschichte der Neuzeit 8/2 ).

     

     

    Zum Vortrag

    Kult, Konsum und Konvivialität: Einkaufen als Gottesdienst?

     

    In den modernen europäischen Gesellschaften können die Individuen Handlungsmuster und Ethiken weitgehend beliebig wählen, um daraus ihre persönlichen Weltanschauungen zu konstruieren. Auf gleiche Weise muss beim Einkaufen auch mit den alltäglichen Gegenständen verfahren werden, die im Warenkorb noch einen chaotischen Haufen bilden. Sie werden später bedeutungsvoll geordnet und zu Systemen „letzter Bedeutung" zusammengefügt. KonsumentInnen sind soziale Wesen, die täglich ihre Lebenswelt bauen, in der sie zusammen leben. Ivan Illich hat diese Notwendigkeit als „Konvivialität" bezeichnet. Die Menschen folgen dabei selten den Gesetzen der Ökonomie, vielmehr werfen sie ihre Ressourcen verschwenderisch in den Rachen des Molochs „Konsum", damit er ihnen Identität und Sinn gewähre. So gesehen kann ihr Einkaufsverhalten als Kult bezeichnet werden.

    Auch der alte christliche Kult besteht aus Opfer, Verzehr und Segnung. Es scheint jedoch als habe die Aufklärung mit ihren Prozessen der Entritualisierung den Kirchen ihr Handwerkszeug weggenommen und den Platz für die Konsumwelten frei geräumt, die heute heilige Objekte, Mythen und religiöse Erfahrungen anbieten. Kulturelle und soziale Subsistenz kann allerdings nicht ohne Ritualisierungen und ohne Akte der Verausgabung gewährleistet werden.

    Walter Benjamin bezeichnete den Kapitalismus als religiöse Bewegung ohne Lehre oder Dogma, als reine Kultreligion, die alles in Kapitalflüsse verwandelt. Doch stellt gegenüber dieser beschleunigten Verflüssigung dann das Einkaufen nicht einen Gegenkult dar, der versucht dieser Gewalt der Abstraktion Enklaven des konkreten Zusammenlebens abzuringen, damit - christlich  ausgedrückt - das Wort auch wieder Fleisch werden kann?


  • www.univie.ac.at/igl.geschichte/sorgo/

    Email: gabriele.sorgo@univie.ac.at