Univ. Prof. Dr. Peter Strasser




Zur Person

geb. 1950, unterrichtet an der Karl-Franzens-Universität in Graz Philosophie und Rechtsphilosophie. Von 1990 bis 1995 Beirat im Avantgardefestival „steirischer herbst". Seit 1999 regelmäßig Gastprofessor am Institut für Philosophie der Universität Klagenfurt. Seit 2002 zusammen mit Adolf Holl (Wien) und Thomas Macho (Berlin) Herausgeber der „Bibliothek der Unruhe und des Bewahrens". Seit 2003 Autor einer wöchentlichen Kolumne im Feuilleton der Zeitung „Die Presse" unter dem Titel „Die vorletzten Dinge".


Wichtige Publikationen (Auswahl):
  • Journal der letzten Dinge, 1998

    Der Weg nach draußen. Skeptisches, metaphysisches und religiöses Denken, 2000

    Der Gott aller Menschen. Eine philosophische Grenzüberschreitung, 2002

    Gut in allen möglichen Welten. Der ethische Horizont, 2004

    Gibt es ein Leben nach dem Tod? Gehirne, Computer und das wahre Selbst, 2004

    Verbrechermenschen. Zur kriminalwissenschaftlichen Erzeugung des Bösen, erweiterte Neuausgabe: Campus Bibliothek 2005

    Theorie der Erlösung. Eine Einführung in die Religionsphilosophie, 2006

    Die vorletzten Dinge. Weltuntergänge aus Österreich, 2006

    Dunkle Gnade. Willkür und Wohlwollen, 2007


  • Zum Vortrag „EINE ART RELIGIÖSER HALTUNG"

     

    „Nun sag: wie hast du's mit der Religion?" Goethes Gretchen will, bevor es sich hingibt, von Faust wissen, ob er ein gläubiger Christ sei. Das ist der klassische Kern. Doch die Gretchenfrage existiert in verschiedenen Abwandlungen fort. So gibt es eine Gretchenfrage auch in der Philosophie. Gestellt wird sie in der Regel von Philosophen, um gegnerische Ansichten zu verdächtigen, sie seien auf mehr oder minder verdeckte Weise religiös, verkörperten also eine „Art religiöser Haltung".

    Dabei laborieren die Verdächtiger nicht selten an einem Syndrom, von dem der amerikanische Philosoph Thomas Nagel behauptet, er leide selbst darunter: „Furcht vor der Religion". Deshalb bevorzugen sie ihrerseits philosophische Haltungen, die eine Art antireligiöser Haltung demonstrieren. Heute werden besonders der evolutionstheoretische Reduktionismus und die Doktrin „Gehirn erzeugt Bewusstsein" favorisiert. Thesen hingegen wie: es gebe ein Ich, einen freien Willen, Personen als genuine Wesenheiten, nichtnaturalistische Tatsachen des Geistes oder objektive Werte, werden falsch, bisweilen gar sinnlos, ohne Ausnahme aber metaphysisch genannt. Und das Etikett „metaphysisch" meint im Kontext der Verdächtigung stets: kryptisch religiös.

    Im Referat wird vorgeschlagen, die Gretchenfrage der Philosophie offensiv zu wenden: „Philosophieren heißt, eine Art religiöser Haltung einzunehmen." Die Begründung für diesen Satz - so wird argumentiert - liegt darin, dass jede Philosophie, die aus religiöser Furcht die Notwendigkeit metaphysischer „Überschüsse" in unseren Begriffen, Erfahrungen und Erkenntnissen leugnet, oberflächlich und im Tiefgang defekt bleiben muss.