12. Philosophicum Lech

Geld.
Was die Welt im Innersten zusammenhält?


„Nach Golde drängt / Am Golde hängt / Doch Alles.“ Gretchens Stoßseufzer aus Goethes Faust kann als Merkmal des modernen Lebens interpretiert werden. Geld regiert die Märkte, den Sport und die Kultur, die Wissenschaft und die Künste, die Forschung und die Gesundheit, bestimmt Politik, Moral, Hoffnungen und Ängste. Wann immer von Wettbewerbsfähigkeit, Innovation oder Standortsicherung die Rede ist, dann heißt dies im Klartext, dass am Ende eines stehen soll: Geld.

Je wichtiger Geld wird, je mehr es unser Denken, Fühlen und Handeln bestimmt, desto abstrakter scheint es zu werden. Gemessen an den Summen, die durch die digitalen Geldadern des Globus gejagt werden, nehmen sich die realen Geldtransporter, die man nach alter Manier überfallen kann, schon fast nostalgisch aus. Geld-vermehrungen und Geldverminderungen gehorchen mysteriösen Rhythmen, die Psychodynamik der globalisierten Finanzmärkte hat Folgen für ganze Populationen. Shareholder und Spekulanten sind zu zentralen Sozialcharakteren der Gegenwart geworden.

Was aber ist Geld? Ein Symbol? Eine Allegorie? Ein Segen oder ein Verhängnis? Woher die Gier danach, wenn es doch im Überfluss vorhanden ist? Was bedeutet es, wenn bedrucktes Papier jeden Wert repräsentieren kann? Wie ist das Geheimnis zu entschlüsseln, dass dieses stoffliche Nichts eine derartige Macht über Menschen ge-winnen kann, dass sie für Geld alles tun und all ihr Tun am Geld messen? Was bedeutet es, wenn Werte und Tugenden, Glück und Gesundheit, Humanität und Solidarität zu Geldfragen werden? Und was heißt es für die Entwicklungsperspektiven unserer Welt, dass sich immer mehr Geldvermögen in immer weniger Händen ansammelt?

Gerne wird der Geldkreislauf mit dem Blutkreislauf verglichen: Es ist das fließende Geld, das eine Gesellschaft zum Pulsieren bringt, die Menschen über Tauschakte verbindet, die Welt zusammenhält. Was aber, wenn das Geld unregelmäßig fließt, sich an einem Ort verdünnt, am anderen staut und verdickt? Schon Fausts Gretchen beschloss ihren Seufzer mit dem Ausruf: „Ach wir Armen!“ Wie reich oder arm ist ein Leben, das sich ständig um das Geld dreht?

Zu diesen und ähnlichen Fragen werden beim 12. Philosophicum Lech Kultur- und Sozialwissenschaftler, Philosophen und Ökonomen vortragen und mit dem Publikum diskutieren.

Univ. Prof. Dr. Konrad Paul Liessmann
Wissenschaftlicher Leiter Philosophicum Lech