Univ. Prof. Dr. Gottfried Gabriel




Zur Person

Professor für Philosophie an der Universität Jena

geb. 1943 in Kulm an der Weichsel; Studium der Philosophie, Germanistik und Allgemeinen Sprachwissenschaft an den Universitäten Münster und Konstanz. Promotion 1972 an der Universität Konstanz, Habilitation 1976. Von 1968 bis 1992 Lehr- und Forschungstätigkeit in der Fachgruppe Philosophie der Universität Konstanz, seit 1982 als außerplanmäßiger Professor. Zwischenzeitlich (1986-1988) Gastprofessor (DAAD) an der Universität Campinas/Brasilien. 1992 Professor für Philosophie an der Ruhr-Universität Bochum; seit 1995 an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Korrespondierendes Mitglied der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur.

Arbeitsgebiete
Erkenntnistheorie, Logik, Ästhetik und Sprachphilosophie


Wichtige Publikationen (Auswahl):

Publikationen (Auswahl)

Definitionen und Interessen. Über die praktischen Grundlagen der Definitionslehre, Stuttgart, 1972

Fiktion und Wahrheit. Eine semantische Theorie der Literatur, Stuttgart, 1975

Zwischen Logik und Literatur. Erkenntnisformen von Dichtung, Philosophie und Wissenschaft, Stuttgart, 1991

Grundprobleme der Erkenntnistheorie. Von Descartes zu Wittgenstein, Paderborn, 1993; 2. Aufl. 1998; 3. Aufl. 2008

Logik und Rhetorik der Erkenntnis. Zum Verhältnis von wissenschaftlicher und ästhetischer Weltauffassung, Paderborn, 1997

Ästhetik und Rhetorik des Geldes, Stuttgart, 2003

Einführung in die Logik, Jena 2005; 2. Aufl. 2006; 3. Aufl. 2007

 

Mitherausgeber des Nachlasses von Gottlob Frege, Mitherausgeber (gemeinsam mit dem Germanisten Harald Fricke, Freiburg/Schweiz) der Reihe Explicatio. Analytische Studien zur Literatur und Literaturwissenschaft, Herausgeber des Historischen Wörterbuchs der Philosophie, Bd. 11-13.

 

Zum Vortrages „Die Ästhetik des Geldes“:

Auf den ersten Blick mag eine ästhetische Analyse des Geldes paradox erscheinen. Ist doch das Geld, wie Georg Simmel in seiner Philosophie des Geldes bemerkt, „der fürchterlichste Formzerstörer“, indem es die individuellen Qualitäten der Dinge auf einen bloß quantitativen Wertnenner bringt. Mit Simmel könnte man daher geradezu von einer „Feindseligkeit“ zwischen Ästhetik und Geld sprechen. So ist denn auch der Gedanke, Kunst als Geldanlage zu begreifen und den Wert der Kunst auf finanzielle Wertsteigerung zu reduzieren, der ästhetischen Einstellung zuwider. Der Vortrag möchte den Blick in die umgekehrte Richtung lenken, nämlich nicht Kunst als Geld, sondern Geld als Kunst betrachten. Bei diesem Übergang von der ökonomischen zur ästhetischen Bedeutung des Geldes ist das Wort ‘ästhetisch’ in seiner ursprünglichen Bedeutung zu verstehen, die auf gr. ‘aisthesis’ zurückgeht. Angesprochen ist damit in erster Linie der Aspekt der sinnlichen Wahrnehmung, nämlich die sinnliche Erscheinung des Geldes als Münze oder Banknote. Zu unterscheiden sind hier Materialästhetik (als Blick auf die Wertigkeit von Gold, Silber, Kupfer, Aluminium, Papier) und Symbolästhetik (als Blick auf die ikonographische Gestaltung des Materials). Ungeachtet der Tatsache, dass konkretes materielles Geld zunehmend durch abstraktes Kartengeld ersetzt wird, haben wir doch noch immer Münzen und Scheine in unseren Taschen, und die Einführung des Euro-Geldes hat die Aufmerksamkeit neuerlich auf das Design und das Material der einzelnen Werte gelenkt. Der Vortrag untersucht anhand von ausgewählten Beispielen die Ästhetik des Geldes in ihrer rhetorischen Wirkung, unter besonderer Berücksichtigung der psychologischen und politischen Dimensionen.

 

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Gottfried.Gabriel@uni-jena.de