Univ. Prof. Dr. Käte Meyer-Drawe



Zur Person

Professorin für Allgemeine Pädagogik an der Ruhr-Universität Bochum

Geboren 1949. 1. und 2. Staatsexamen für Lehrämter an Grund- und Hauptschulen; Promotion zum Dr. päd. 1977; Habilitation 1983, seit 1984 Professorin für Allgemeine Pädagogik im Institut für Erziehungswissenschaft der Ruhr-Universität Bochum.

Wissenschaftliche Schwerpunkte in Forschung und Lehre:
Selbst- und Weltdeutungen unter dem Einfluss moderner Technologien. Maschinenbilder in der Pädagogik; die Bedeutung der Leiblichkeit für Bildung und Erziehung; Comeniologische Studien; Erarbeitung eines zeitgemäßen Subjektkonzepts sowie Kritik an Identitätsmodellen; eine pädagogische Theorie des Lernens.


Wichtige Publikationen (Auswahl):
  • Leiblichkeit und Sozialität. Phänomenologische Beiträge zu einer pädagogischen Theorie der Inter-Subjektivität. München, 3. Auflage 2001.
  • Illusionen von Autonomie. Diesseits von Ohnmacht und Allmacht des Ich. München, 2. Auflage 2000.
  • Menschen im Spiegel ihrer Maschinen. München., 2. Auflage 2007.
  • Gem. mit Kristin Platt (Hrsg.): Wissenschaft im Einsatz [Schriftenreihe «Genozid und Gedächtnis». Herausgegeben vom Institut für Diaspora- und Genozidforschung an der Ruhr-Universität Bochum]. München 2007.
  • Diskurse des Lernens. München 2008.


Email
kaete.meyer-drawe@rub.de

Homepage
http://www.ruhr-uni-bochum.de/allgemeine-paedagogik/


Zum Vortrag von Käte Meyer-Drawe

Wer schön sein will – muss leiden?

Der Vortrag spielt mit der zugleich vertrauten wie geheimnisvollen Redewendung „Wer schön sein will, muss leiden“. Vertraut ist diese Floskel als üblicher Kommentar zur Mühe um eine wünschenswerte Erscheinung. Geheimnisvoll ist sie im Hinblick auf ihre Herkunft, die im Dunkeln verläuft. Die Ausführungen werden sich auf das menschliche Gesicht konzentrieren. Ein ästhetisches Urteil über unser eigenes Gesicht steht uns auf eigentümliche Weise nicht zu. Es ist uns selbst nämlich merkwürdig fremd. Wir sehen es zwar in Spiegeln, Filmen und auf Fotos, aber wir können es nicht in seiner lebendigen Expressivität wahrnehmen. Dieses Gesicht gehört in bestimmter Hinsicht nicht uns, sondern den anderen, an die wir uns wenden. Was passiert nun, wenn wir unser eigenes Gesicht nach eigenem Gutdünken modifizieren? Am Beispiel des Schminkens und der Schönheitschirurgie soll die Frage nach dem Leiden im Kampf um Schönheit erörtert werden. Dabei zielen die Suchbewegungen nicht auf eine Definition von Schönheit. Über die Vergeblichkeit dieses Unterfangens legt eine lange Tradition Zeugnis ab. Es geht vielmehr um eine phänomenologische Betrachtung, in der danach gefragt wird, wie Schönheit einem selbst und den anderen in der Erfahrung gegeben ist. So geht es nicht um Maße und deren Verhältnisse, sondern um die Faszination eines Gestaltwandels, welcher das lebendige Gesicht charakterisiert, und um Eingriffe in das Unzugängliche. Der Ehrgeiz des Autoplasten richtet sich in unserer Tradition zunächst auf die schöne Seele und nun auf den makellosen Leib, den er seiner Bestimmung unterwerfen will. Vielleicht ist es ja der andere in der Nähe, der leidet, weil er durch die Tilgung der Lebensspuren einer ihn ansprechenden Expressivität beraubt wird, und in extremen Fällen die willkommene Attraktivität dem Ekelhaften Platz macht, das Rosenkranz bestimmt als denjenigen „Schein des Lebens im an sich Todten“.