14. Philosophicum Lech

Das Philosophicum Lech

DER STAAT.
Wie viel Herrschaft braucht der Mensch?
22. bis 26. September 2010 in Lech am Arlberg


Über den Staat wird wieder gesprochen. Eine Institution, die von vielen nur mehr als aufgeblähter Störfaktor im freien Spiel der Kräfte betrachtet wurde und deren Ende deshalb absehbar schien, erwies sich ausgerechnet in der Krise als Retter in der Not. Die Verabschiedung des Staates zugunsten des Marktes erscheint nun vielen als etwas vorschnell. Von der Renaissance des Staates ist nun die Rede, und davon, dass die Märkte nicht alles regeln können. Aber was ist der Staat? Und welche Funktionen können wir diesem Gebilde tatsächlich überantworten? Und wo empfinden wir den Zugriff des Staates zu Recht als Zumutung?

In den gegenwärtigen Diskussionen über Aufgaben, Möglichkeiten und Grenzen des Staates erscheint dieser in durchaus schillernder Gestalt. Als Nationalstaat wird er zumindest in Europa seit längerem einer prinzipiellen Kritik unterzogen, als Sozial- und Wohlfahrtsstaat kennt er leidenschaftliche Befürworter und ebenso leidenschaftliche Gegner. Als Unternehmer hat der Staat seit längerem ausgedient, als Garant für Sicherheit, Wohlstand und Frieden steht er nach wie vor hoch im Kurs, auch wenn die Kritik am Überwachungsstaat, der die Rechte seiner Bürger umfassend einschränkt, zunimmt. Und nicht zuletzt repräsentiert der Staat nach wie vor die Machtverhältnisse einer Gesellschaft, und die Besorgnis, dass der postdemokratische Staat die Möglichkeiten der Mitgestaltung und Mitbestimmung radikal beschneidet und als Organ der neuen Eliten fungiert, sind wohl nicht ganz von der Hand zu weisen.

Zeit also, sich der Frage nach dem Wesen und Unwesen des Staates zu stellen. In der Philosophie war die Frage nach Aufgabe und Funktion des Staates immer heftig diskutiert, den Verteidigern des Staates, die von Platon über Thomas Hobbes bis zu Hegel und Carl Schmitt reichen, stehen ebenso engagierte Kritiker gegenüber, die von den antiken Kynikern über romantische Individualisten bis zu den modernen Anarchisten reichen. In einer modernen Gesellschaft ist die Frage nach dem Staat überdies untrennbar mit der Frage nach einem „guten“ Leben, mit den Ideen von Recht und Gerechtigkeit verbunden, damit aber auch mit der Frage, inwieweit der Staat in das Leben seiner Bürger eingreifen kann oder muss. Das reicht vom allgemeinen Rauchverbot bis zur Gewährleistung einer Grundsicherung, von der Idee, dass der Staat die sozialen, physischen und psychischen Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten der Gesellschaft auch um den Preis der Freiheit ausgleichen muss, bis zum Konzept, dass freie, mündige Menschen eigentlich keinen Staat benötigen.

Beim 14. Philosophicum Lech werden namhafte Philosophen, Historiker, Kulturwissenschaftler und Politologen über die Idee des Staates, seine Aufgaben, Funktionen und Grenzen in einer unübersichtlich gewordenen Welt vortragen und mit dem Publikum diskutieren.

Univ.Prof. Dr. Konrad Paul Liessmann
Wissenschaftlicher Leiter des Philosophicum Lech

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