16. Philosophicum Lech

TIERE.
DER MENSCH UND SEINE NATUR
Lech am Arlberg, 19. – 23. September 2012

Sind wir Tiere? Sind uns Tiere ähnlicher als wir lange glaubten? Können oder müssen Tieren Rechte zugeschrieben werden? Gelten Menschenrechte auch für Menschenaffen? Können Tiere denken? Darf man Tiere züchten, um sie dann zu töten und zu essen? Darf man Tiere überhaupt essen? Steht der Mensch außerhalb der Natur oder ist er ein Teil von ihr. Oder gehört es zur Natur des Menschen, seine natürliche Umwelt zu verändern, ja zu zerstören?

Kaum ein Thema hat in den letzten Jahren so viel Erregung, Aufsehen und Erbitterung hervorgerufen wie die Frage nach dem Umgang des Menschen mit dem Tier. Ergebnisse in der Biologie, der Verhaltensforschung und den Kognitionswissenschaften zeigen, dass Tier und Mensch so verschieden, wie lange angenommen, gar nicht sind. Meldungen über sensationelle kognitive Leistungen von Affen oder Raben sorgen immer wieder für Erstaunen und provozieren stets aufs Neue die Frage nach dem Verhältnis von Mensch und Tier. Das ändert nichts daran, dass der Fleischkonsum weltweit zunimmt und gleichzeitig immer mehr Tierarten verschwinden oder vom Aussterben bedroht sind. Aber das Tier ist auch der beste Freund des Menschen und Haustiere haben Konjunktur. Aber sind Haustiere überhaupt noch richtige Tiere?

Das Tier war aber immer auch Projektionsfläche für zahlreiche Hoffnungen und Ängste des Menschen. Tiere symbolisieren positive Eigenschaften wie Stärke, Kraft, Ausdauer und Treue, Tiere standen aber auch für Heimtücke, Verschlagenheit, Gier und Gewalt. Frei wie ein Vogel wollte der Mensch sein, stark wie ein Löwe, aber das Schwein und die Ratte wurden zu Schimpfwörtern. Und wenn Menschen unmenschliche Verbrechen begehen, nennen wir sie Bestien.

Das Tier war immer Gegenstand der forschenden Neugier des Menschen. In der Philosophie, der Literatur und den bildenden Künsten war das Tier immer ein zentrales Thema gewesen. Neben der Frage, was den Menschen vom Tier unterscheidet und ob sich der Mensch dadurch definieren kann, dass er sich vom Tier unterscheidet, ging es dabei immer auch darum, wie wir uns praktisch dem Tier gegenüber verhalten sollen. Sind Tiere Dinge, über die wir nach Belieben verfügen können, oder leidensfähige Mitgeschöpfe, die unseren Respekt, unser Mitleid und einen sorgsamen Umgang verdienen?

Über das Tier versuchte der Mensch Aufschluss über sich, seine Natur, zu bekommen. Je deutlicher die nahe Verwandtschaft zwischen Tier und Mensch erkannt wurde, desto klarer wurde auch, dass das Rätsel Mensch nur über das Tier gelöst werden konnte. Aber ist ein Tier, das weiß, dass es ein Tier ist, noch ein Tier? Philosophen und Biologen, Verhaltensforscher und Kulturwissenschaftler werden beim 16. Philosophicum Lech das Verhältnis von Tier und Mensch in unterschiedlichen Facetten thematisieren und mit dem Publikum diskutieren.

 

Konrad Paul Liessmann
Wissenschaftlicher Leiter des Philosophicum Lech

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