18. Philosophicum Lech
17. bis 21. September 2014

"Schuld und Sühne. Nach dem Ende der Verantwortung."

Der Mensch ist ein freies Wesen. Er ist Urheber seiner Handlungen und deshalb für diese auch verantwortlich. Als mündiges Subjekt ist er schuldfähig: er muss einstehen für das, was er getan hat. Diese verbreitete Ansicht ist seit geraumer Zeit ins Wanken geraten. Je mehr die moderne Wissenschaft den Menschen als ein durch Gene, Umwelt, das Unbewusste und Hirnfunktionen bedingtes und bestimmtes Wesen erkennt, desto fragwürdiger wird die These, dass der Mensch für all sein Tun verantwortlich sei.

Und auch wenn wir bereit sind, Verantwortung zu tragen oder zu übernehmen, fragt es sich in einer komplexen Gesellschaft, in der fast niemand mehr die Folgen seines Tuns überblickt, wer letztlich für menschengemachte Ereignisse und Katastrophen, die viele betreffen, die Verantwortung trägt: Von Reaktorunfällen über Finanz- und Wirtschaftskrisen bis zum Klimakollaps zeichnen sich Szenarien ab, in denen die Zuschreibung von eindeutiger Verantwortung kaum mehr möglich erscheint. Gleichzeitig, und dies ist paradox, wird der Ruf lauter, dass der Einzelne mehr Verantwortung übernehmen müsse: für sich und seine Gesundheit, für seine Bildung und die seiner Kinder, für sein Alter und sein Sterben.

Wie steht es unter diesen Bedingungen um die Freiheit des Menschen, seine Verantwortung für andere und seine Selbstverantwortung, und was bedeutet es, angesichts einer zunehmenden Verantwortungslosigkeit, noch nach Schuld und nach Sühne zu fragen? Zu diesen brennenden und kontroversiellen Fragen, ihren ethischen und gesellschaftspolitischen Dimensionen werden beim 18. Philosophicum Lech Philosophen und Vertreter anderer Wissenschaften vortragen und ihre Thesen mit dem Publikum diskutieren.

Konrad Paul Liessmann
Wissenschaftlicher Leiter des Philosophicum Lech

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