Univ. Doz. Dr. phil. Wolfgang Müller-Funk

Univ. Doz. Dr. Wolfgang Müller-Funk

Statement zum Vortrag

Etymologisch trägt  das französische Wort Elite die Konnotation des Auserwähltseins in sich. Aber wie lässt sich eine solche Besonderheit eines Oben in einer Gesellschaft überhaupt rechtfertigen, die die klassische Aristokratie, den Klerus und ihre legitimatorischen Narrative von Herkunft, Geburt und natürlichen Privilegien hinter sich gelassen hat? Ständisch-hierarchische Ordnungen, die davon ausgehen, dass sich jeder und jede an dem ihr und ihm zugewiesenen Platz in der Gesellschaft befinden, erzeugen Sehnsucht nach Gleichheit, Gesellschaften mit egalitären Differenzen tendieren indes dazu, neue Formen der Besonderheit und Exklusivität zu erzeugen.
Wie das gegenwärtige Unbehagen am System der repräsentativen Demokratie, einer Form, die egalitäre und elitäre Momente in sich vereinigt, in vielen Ländern Europas zeigt, ist diese Elite stets in Gefahr, von der Wut der von der Distinktion Ausgeschlossenen – „Wir sind das Volk“ – hinweg gespült zu werden. Aber dieses Unbehagen kippt blitzschnell in Bewunderung für einen Führer um, der Partizipation an seinem oder ihren Status verspricht so wie die Eliten in Sport, Medien und Popularkultur. Oben ankommen wollen irgendwie alle. Verstohlen oder auch offen, ist es attraktiv, am Oben mitzunaschen, dazuzugehören, dabei zu sein.

Zur Person

1971 – 1977 Studium der Germanistik, Geschichte, Philosophie und Spanisch an der Universität München (Magister und Promotion), 1984-1990 Lektor an der Universität München. Wissenschaftliche Leitung der Waldviertel-Akademie (1984-1994),  1993 Habilitation (Philosophie/Germanistik) an der Universität Klagenfurt, ab 1993 Dozent an den Universitäten Klagenfurt und Wien.
1998-2002: Professsor für Kulturwissenschaften an der University of Birmingham/UK, 2003- 2008 Lehrtätigkeit u.a. an der Univ. Wien sowie Gastprofessuren und Forschungsaufenthalte im In- und Ausland (u.a. in Zagreb, Bratislava, Szeged, Neu Delhi). Seit 2009 als Professor für Kulturwissenschaften am Institut für Europäische und Vergleichende Sprach- und Literaturwissenschaft der Universität Wien tätig.
Seit 2011-2014 Forschungskoordinator der Philologisch-kulturwissenschaftlichen Fakultät (Broken Narratives). Lehrtätigkeit an der Diplomatischen Akademie in Wien und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen (Univerität Linz, Universität Innsbruck, Goethe Universität Bratislava, Musik-Universität Wien). Senior Scholarships am IWM, Wien , am GCSC Gießen, am Trinity College in Dublin.
Forschungsschwerpunkte: Kulturtheorie, Theorie des Narrativen,  Romantik, Avantgarde  und klassische Moderne, Essay und Essayismus, Seit 1998  zahlreiche Forschungsprojekte im Bereich der Central European Studies sowie Grundlagenforschung im Bereich Kulturwissenschaften.
Wichtige monographische Werke:  Erfahrung und Experiment (1995), Die Farbe Blau (2000), Die Kultur und ihre Narrative (2002/2008), Kulturtheorie (2006/2010), Komplex Österreich (2009), Joseph Roth (1989/2012), The Architecture of Modern Culture. Towards a Narrative Cultural Theory ( 2012), Die Dichter der Philosophen (2013), daneben über 20 Sammelbände. 2014 erschienen ein Lyrik-Band (Da sein. Gedichte 2000-2013) sowie ein Band mit Feuilletons (Jenseits von Resignation und Nostalgie). In Vorbereitung ist ein Einführungswerk (UTB/Francke) über Alterität und Fremdheit.

Bücher

•    Literatur als geschichtliches Argument. Zur ästhetischen Konzeption und  Geschichtsverarbeitung in Lion Feuchtwangers Romantrilogie >Der Wartesaal< , Diss., Frankfurt/Main: Lang 1981.
•    Die Rückkehr der Bilder. Beiträge zu einer "romantischen Ökologie", Wien-Köln: Böhlau 1988.
•    Joseph Roth. Monographie, München: C.H. Beck 1989.
•    Die Enttäuschungen der Vernunft. Von der Romantik zur Postmoderne, Wien: ÖBV/Deuticke 1990.
•    Erfahrung und Experiment. Studien zu Theorie und Geschichte des Essayismus. (Habil.–Schrift), Berlin: Akademie 1995.
•    Der Intellektuelle als Souverän, Wien: ÖBV/Deuticke 1995.
•    Junos Pfau. Texte zur historischen Anthropologie der Medien, Wien: Wiener Universitätsverlag 1999.
•    Die Farbe Blau. Beiträge zu einer Epistemologie des Romantischen, Wien: Turia & Kant 2000 .
•    Die Kultur und ihre Narrative. Eine Einführung, Wien- New York: Springer 2002. Erweiterte Neuauflage 2008.
•    Niemand zu Hause. Essays zu Kultur, Globalisierung und neuer Ökonomie, Wien: Czernin 2005.
•    Einführung in die Kulturtheorie. Schlüsseltexte der Kulturwissenschaften Stuttgart: UTB/Francke 2006.
•    Komplex Österreich. Fragmente zu einer Geschichte der modernen österreichischen Literatur, Wien: Sonderzahl 2009.
•    Joseph Roth. Besichtigung eines Werks, 2. erweiterte Auflage, Wien: Sonderzahl 2012.
•    The Architecture of Modern Culture. Towards a Narrative Cultural Theory, Berlin/Boston: De Gruyter 2012.
•    Die Dichter der Philosophen. Essays über den Zwischenraum von Denken und Dichten, unter Mitarbeit von Matthias Schmidt, München: Fink 2013.
•    Jenseits von Resignation und Nostalgie. Kommentare und Essays, herausgegeben von Peter Clar, Wien: Sonderzahl 2014.
•    Theorien des Fremden, unter Mitarbeit von Johanna Chovanec, Tübingen: Francke/UTB 2016.
•    Sigmund Freud, Das Unbehagen in der Kultur. Herausgegeben und neu kommentiert von Wolfgang Müller-Funk, Wien. Vienna University Press 2016.

Ca.  dreißig Sammelbände u. a. zu Themen der Kulturtheorie, Central European Studies, Romantik und Avantgarde. Außerdem Essay- und Lyrikbände

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