24. Philosophicum Lech

Als ob!

Die Kraft der Fiktion

Sonntag, 27. September 2020 um 10.30 Uhr

Illussion, Phantasma, Fake? Liebe in künstlichen Welten

Statement zum Vortrag

Zu begehren ist köstlich und schmerzlich zugleich. Es ist köstlich, weil es uns aus der Trägheit unserer Existenz erhebt und die Grenzen unseres Selbst auf etwas anderes hin erweitert. Schmerzlich aber ist es, weil sich das transgressive Moment des Begehrens, von dem wir dachten, dass es real sei, allzu schnell als illusionär erweist. Statt nun aber die Illusion als Täuschung und bloß scheinhafte Wirklichkeit zu verwerfen und sich dem Realitätsprinzip zu unterwerfen, halten wir, mehr an ihr hängend als über sie verfügend, an der Illusion fest. Was Freud in Das Unbehagen der Kultur (1930) über Kunst und Religion sagt, gilt von daher im besonderen Maße für das Begehren: „die Befriedigung wird aus der Illusion gewonnen, die man als solche erkennt, ohne sich durch deren Abweichung von der Wirklichkeit im Genuss stören zu lassen. Das Gebiet, aus dem diese Illusionen stammen, ist das des Phantasielebens“. In meinem Vortrag „Illusion, Phantasma, Fake? Liebe in künstlichen Welten“ möchte ich diskutieren, inwiefern Beziehungen zwischen Menschen und humanoiden Robotern oder anderen künstlichen Figuren als schmerzfrei und deshalb kalt im Sinne von Eva Illouz Theorie der entemotionalisierten Partnerwahl auf Online-Plattformen (Cold Intimacies, 2007) zu bestimmen sind. Oder ob nicht gerade die Partnerschaft im Modus des „Als-ob“ auf ein Beziehungsmodell verweist, das sich dem vermeintlich Faktischen entzieht und als produktive Kraft der Veränderung wirkt.