Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht der mit dem Tractatus-Essaypreis 2026 ausgezeichnete Essay von Maria-Sibylla Lotter: „Opfer. Über Verwundbarkeit als Selbstbild“.
Was bedeutet es in der heutigen Gesellschaft, eine Opferrolle einzunehmen und Verwundbarkeit zu zeigen? Maria-Sibylla Lotter zeichnet den Wandel vom lange tabuisierten Zeigen von Schwäche hin zur moralisch aufgewerteten Opferrolle nach. Sie verbindet diese Entwicklung mit der Verbreitung psychotherapeutischen Denkens und den vielfältigen Formen der Erinnerung an die Opfer politischer Gewalt. Dies kann die Gesellschaft menschlicher machen, birgt jedoch zugleich das Risiko, dass Menschen in der Opferrolle an Handlungsfähigkeit und Autonomie verlieren.
„Präzis schärft Maria-Sibylla Lotter […] unseren Blick für die Gefahren eines Menschenbildes, das nur noch Opfer und Täter kennt und keinen Raum für Ambivalenz und Selbstermächtigung lässt“, heißt es unter anderem in der Jurybegründung.
Als Gesprächspartnerin wird die Preisträgerin Maria-Sibylla Lotter ihr ausgezeichnetes Werk vorstellen und dessen zentrale Gedanken diskutieren. Das Gespräch führt Eva Weber-Guskar, Professorin für Ethik und Philosophie der Emotionen an der Ruhr-Universität Bochum und Co-Leiterin von PhilPublica.
Das Format „Ausgezeichnete Gedanken“ knüpft an die Tractatus Preis Verleihung an und geht über sie hinaus, indem das Thema des Buchs vertieft wird und das Publikum mit dem/der Preisträger/in direkt ins Gespräch kommen kann. PhilPublica ist eine Plattform zur Vermittlung akademischer, deutschsprachiger Philosophie an die größere Öffentlichkeit. Als „Schaufenster“ macht sie Beiträge akademisch Philosophierender zu aktuellen und ewigen Fragen in Online-Publikumsmedien an einem Ort gesammelt sichtbar und lässt ein Archiv heranwachsen, das man nach Themen und Namen durchsuchen kann. Als „Werkstatt“ unterstützt sie die Vermittlungsarbeit, unter anderem mit einem jährlich organisierten Philosophie-Journalismus-Workshop.
Da die Zahl der Plätze begrenzt ist, wird eine frühzeitige Anmeldung empfohlen.
Anmeldung
EUR 30,-
Die Teilnahme ist nur mit Voranmeldung möglich.
Treffpunkt
G‘spusi bei den Lechwelten

Prof. Dr. Eva Weber-Guskar
geb. 1977, Studium der Philosophie, Komparatistik und Politikwissenschaft in München, an der Sorbonne in Paris und der HU Berlin, Promotion an der FU Berlin. Habilitation an der Universität Göttingen. Nach Stationen an den Universitäten New York, Wien, Zürich, Bern und Erlangen lehrt sie seit 2019 als Professorin für Philosophie an der Ruhr-Universität Bochum. Ihre Schwerpunkte liegen u. a. in der Moralphilosophie, Emotionsforschung und Philosophie der Künstlichen Intelligenz.
Publikationen (Auswahl): Die Klarheit der Gefühle. Was es heißt, Emotionen zu verstehen (2009) • Würde als Haltung. Eine philosophische Untersuchung zum Begriff der Menschenwürde (2016) • Gefühle der Zukunft. Wie wir mit emotionaler KI unser Leben verändern (2024)
