
Philosophicum Dialoge
Die Philosophicum Dialoge wurden 2021 ins Leben gerufen und verstehen sich als vom Tagungsthema unabhängige Debatten zu aktuellen und brisanten Fragen der Zeit. Sie bieten jeweils zwei hochkarätigen und prominenten Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Medien die Chance eines intensiven Gesprächs unter fachkundiger Moderation und ohne Zeitdruck.
15.00 Uhr - Philosophicum Dialoge I: Wie ist die Lage?
Der Politikwissenschaftler Claus Leggewie ist eine der führenden deutschen Stimmen für ökologische Transformation und europäische Integration sowie gegen die AfD. Trifft er auf die Ethnologin Susanne Schröter, sind knisternde Momente garantiert: Schröter will den Islamismus an der Wurzel bekämpfen, richtet sich scharf gegen den Wokismus und plädiert für klare staatliche Grenzen in der Migrationspolitik. Im Gespräch mit Martin Haidinger (ORF Wissen) erörtern sie die traditionelle Auftaktfrage des Philosophicum: Wie ist die Lage? Oder sollte man angesichts der globalen Situation besser fragen: Wie sind die Lagen?
Das Panel 1 wird im Anschluss an das Philosophicum Lech als Science Arena auf Ö1 in Kooperation mit dem Wiener Städtischen Versicherungsverein ausgestrahlt.
Moderation: Martin Haidinger, Producer der Science Arena.
Sendetermin Dialoge I: Ö1 / Science Arena, 5. Oktober 2026, 16.05 Uhr
17.00 Uhr - Philosophicum Dialoge II: Was ist zu tun?
Stefan Gosepath und Anna Schneider diskutieren, wie wir in Zeiten sich überlagernder Krisen Orientierung finden können: Was tun, was nicht? Wo beginnt, wo endet unsere Verantwortung? Angesichts immer größer werdender Brandherde, die zugleich zum Handeln drängen und lähmen, fragen sie, wo unser Einsatz gefragt ist und wo Zurückhaltung geboten sein könnte. Wie lässt sich bestimmen, wo individuelle und politische Verantwortung anfängt – und wo sie endet – in einer zunehmend verflochtenen und gewaltvollen Welt?
Das Panel 2 wird in Kooperation mit DLF Kultur als Sein & Streit Sendung ausgestrahlt und als Podcast nachzuhören sein.
Moderation: Simone Miller, Redakteurin der Philosophiesendung Sein & Streit bei DLF Kultur.
Sendetermin Dialoge II: Deutschlandfunk Kultur / Sein & Streit, 27. September 2026, 13.05 Uhr
Tageskarte Dienstag: EUR 45,- / Studierende EUR 15,-
(Die Teilnahme an den Philosophicum Dialogen ist in der Dienstag bis Sonntag-Symposiumspauschale enthalten.)
Rückblick 2025 - vertiefende Erörterung brandaktueller Entwicklungen
Am Dienstagnachmittag, den 23. September befassten sich die Philosophicum Dialoge mit dem aktuell vielfältigen, komplexen Krisenszenario. Beim I. Panel zur Frage Wie ist die Lage? diskutierten Barbara Bleisch und Konrad Paul Liessmann, der erst kürzlich das Buch Was nun? Eine Philosophie der Krise veröffentlicht hat. Unter Moderation von Martin Haidinger, Redaktionsleiter der Ö1-Wissenschaftssendereihe Science Arena, gab die Schweizer Philosophin zunächst zu bedenken, dass bezüglich der negativen Entwicklungen statt dem Begriff Krise als vorübergehendem Phänomen besser jener von allmählich fortschreitenden Longue-Durée-Prozessen passe, denen es entgegenzusteuern gilt. Auf eine teils durchaus kontroverse Debatte über die Bedrohung der Meinungsfreiheit folgte eine Wertediskussion in Bezug auf Universalismus versus Identitätspolitik mit Verweis auf die Tugendethik als willkommene Alternative zur oft vorherrschenden Moral als „eine Strategie der politischen Erpressung“, so Liessmann. Die eigentliche Bedeutung von Toleranz wurde dabei ebenso thematisiert wie der Rückfall in voraufklärerische Zeiten. In Hinblick auf den zunehmenden Erfolg rechtspopulistischer Parteien mündete das Gespräch in Überlegungen, wie in liberalen Demokratien wieder ein stärkeres Gefühl von Gemeinschaft herbeizuführen sei, wofür Bleisch plädierte und die Schweizer Konkordanzdemokratie als ein positives, Akzeptanz förderndes Beispiel anführte.
Sendetermin Dialoge I: Ö1 / Science Arena, 6. Oktober 2025, 16.05 Uhr und Online unter https://sound.orf.at/podcast/oe1/science-arena/science-arena-vom-philosophicum-lech-abenteuer-lob-der-unverfuegbarkeit
Zum II. Philosophicum Dialog unter dem Titel Was ist zu tun? waren Oliver Marchart, Philosoph und Soziologe mit Schwerpunkt auf Demokratietheorie sowie politische Ästhetik, und Lea Prix, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Philosophie und Politikwissenschaft der Technischen Universität Dortmund geladen. Moderiert von Simone Miller, Redakteurin der Philosophiesendung Sein & Streit, debattierten die beiden Expert:innen über die Krise unserer westlichen Demokratien und Möglichkeiten ihrer Überwindung. Ausgehend von der These, dass die liberale Demokratie besser dazu geeignet ist, vernünftige Politik hervorzubringen als andere politische Ordnungen, verwies Prix anfangs darauf, dass deren Funktionieren davon abhängt, inwieweit sie ihren normativen Grundsätzen – Freiheit, Gleichheit, Solidarität – in ausreichendem Maße gerecht wird. Ihr Dialogpartner bezeichnete die Demokratie als ein Regime der Unruhe, wobei die Aushaltungsprozesse prinzipiell unabschließbar sind und immer über Konflikte angetrieben werden. Das Problem ergebe sich erst einmal darin, dass Politik Komplexitäts- und Unsicherheitsbewältigung bedeutet. Zudem habe die neoliberale Revolution vor 40 Jahren einen derartigen Erfolg gezeitigt, dass ein Präkarisierungsregime entstanden sei. Prix nannte als dieses fördernde Faktoren die Globalisierung und Digitalisierung. Da das Gleichheitsversprechen einzulösen nicht mehr gelinge, werde ein harter Verteilungskampf wahrgenommen und als solcher insbesondere von Rechtspopulisten politisch adressiert. Zur Zukunftskrise gesellt sich eine politische Vertrauens- sowie Visionskrise, konstatierte Marchart, der nach Jahrzehnten der Entdemokratisierung eine Redemokratisierung für notwendig erachtet. Prix plädierte u. a. dafür, die Demokratie als hoch qualitative Lebensform verständlich zu machen. Befragt nach ihren Hoffnungen, meinte Marchart, dass Demokratie immer wieder unvorhersehbare Wendungen zulässt, während Prix betonte, dass „alle der Hoffnung für die Demokratie verpflichtet sind“.
Sendetermin Dialoge II: Deutschlandfunk Kultur / Sein & Streit, 28. September 2025, 13.05 Uhr und online unter
www.deutschlandfunkkultur.de/philosophicum-lech-was-wenn-demokratie-unvernuenftig-ist-100.html
Anmeldung zu den Philosophicum Dialogen
- Wie ist die Lage?
Was ist zu tun?
(seit 2023)
- Zeitenwende - Wendezeit:
Europa im Umbruch
(2022)
- Philosophie der Pandemie
(2021)